Lala, Gong und Puh

Schreibmaschine

von Annette Schwindt

Was kleine Kinder heute schon alles erleben… Kaum drei Monate alt geriet die kleine Rahel, von ihrem Bruder Jonathan liebevoll Lala genannt, in einen buddhistischen Krabbeltempel! Dabei handelte es sich jedoch um keine tibetische Einrichtung, sondern um die Zweizimmerwohnung einer ayurvedisch-esoterisch angehauchten Mutter aus der Krabbelgruppe.

Umringt von mit Opferblumen bekränzten elektrisch winkenden Buddhas in jeder Zimmerecke, während die zu indischen Sommertemperaturen überheizte Luft durch einen in wechselnden Farben leuchtenden Springbrunnen befeuchtet wurde, fand sich die kleine Lala alsbald nackend ausgezogen auf einer Meditationsmatte für Babies wieder. Von an den Wänden hängenden indischen Göttinnen scharf beäugt wurden die schwitzenden Mütter nun aufgefordert, ihre Kinder mit Sesam- und Calendulaöl zu massieren, wobei besonders die Kaiserschnittkinder ordentlich fest angepackt werden sollten, denn das lasse ihnen nachträglich das wundervolle Erlebnis der Geburt zuteil werden, das ihnen ja so schnöde verwehrt geblieben sei.

Zur Erfrischung gab es für die Mütter milchflussanregenden Anis-Fencheltee und auch Lala sollte erfahren, wie man die Energien zum Fließen bringt. Denn als nächstes wurde ihr eine metallene (natürlich auf Körpertemperatur vorgewärmte) Klangschale über den Steiß gelegt, die von Mama mittels eines Klöppels in Schwingung zu versetzen war. Auf das laut und voll tönende GONNNGGGGG, das nun vielstimmig von all den Babiepopos erklang, verstummte vor Schreck auch der letzte Quietscher. Durch die sphärischen Klänge derart angeregt, entleerte Lala sogleich ihren begongten Darm ganzheitlich auf die Babymatte und fügte so durch ihr Puh dem Raumklima eine ganz eigene Note hinzu.

Zu guter letzt beglückte die in Reiki bewanderte Gastgeberin alle anwesenden Kleinen noch mit einem stimulierenden Handauflegen und schlug vor, dass man sich in der nächsten Woche wieder treffen solle. Dann zum Yoga für Babies!

 

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Annette Schwindt
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