Jona-Jothanans literarische Sprachwelt

Schreibmaschine

von Annette Schwindt

Kurz bevor mein Patenkind Jonathan zwei Jahre alt wurde, übte er sich ganz wie seine Altersgenossen von früh bis spät im Spracherwerb. „Listen and repeat“ hieß das zu unseren Schulzeiten im Englischunterricht. Und genauso funktioniert das auch bei den Kleinsten: ein Wort wird gehört, zugeordnet und dann geübt.

Schon vor seiner Geburt fragten sich Eltern und Patentante, nach welchem Vorbild er sich wohl orientieren würde, der kleine Mann. Würde er nach seinem Vater kommen und sich dem „Dombuta“ verschreiben? Oder würde er mehr nach seiner Mutter, der Literaturwissenschaftlerin geraten?

Zunächst ließ der Sprössling nicht erkennen, in welche Richtung er schlagen würde. Die ersten Worte waren brav Mama und Papa. Schnell verlangte er „trinki“ und „essi“, wobei letzteres bald spezifiziert wurde zu lautstarkem Einfordern von „MÖÖÖÖÖMMEEEEL!!!“ (einem Marmeladenbrot). Als nächstes kamen die Tiere an die Reihe. Zuerst natürlich die lautmalerischen Wau-Waus und Miaus. Dann auch „Lööööwe“, „Papidi“ (der Papagei) und „Affe“, was allerdings nicht den Verwandten des Menschen meint, sondern ein verschlucktes „Gir-“ impliziert.

Womit wir bei dem Charakteristikum der Kleinkindsprache wären: dem Verschlucken oder Austauschen von Buchstaben oder ganzen Wortteilen. So antwortet der Kleine auf die Frage nach seinem Namen im Brustton der Überzeugung, er heiße Jona-Jothanan. Und auch wenn sein großer Teddybär ursprünglich Bobo getauft wurde, so nennt ihn sein stolzer Besitzer lieber „Botho“. Sein kleiner Ikeabär Björn trägt den Namen „Böll“. Die Mutter schwört Stein und Bein, nichts zu diesen Namensfindungen beigetragen zu haben.

Zuletzt warteten wir darauf, welches Stofftier oder Spielzeug als nächstes benamst würde und ob die Wahl dann auf Goethe oder Thomas Mann fiele. Ich war allerdings mehr für Kafka. Doch da sah die Mutter Probleme kommen. Denn das F, so meinte sie, würde Jona-Jothanan sicher unterschlagen… 😉

 

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Annette Schwindt
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