Raumschiff Rollerprise (8): Mission Arbeit

Rollanier und Fußone küssen sich

von Annette Schwindt

Die Welt der Fußonen… unendliche Weiten… wir befinden uns in der Gegenwart…
dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Rollerprise, das Lichtjahre von der
Integration entfernt ist, um die Rollanier und die Fußonen einander näher zu bringen:

Logbuch des Käptns, Sternzeit: Montagvormittag, 9.23 Uhr

Mission: Vorstellungsgespräche

9.24 Uhr: Habe mich arbeitssuchend gemeldet, um arbeitsspezifische Integration der Rollanier in der Fußonenwelt näher zu untersuchen. Habe zirka 250 Gesuche verfasst und abgeschickt. Ergebnis: drei Treffen zum ersten Kennenlernen. Das erste gleich um 9.30 Uhr als Vertreter von fußonischen Gesetzen. Habe die dazu erforderliche Akademie besucht und alle Examen mit Auszeichnung bestanden.

9.30 Uhr: Nach meiner Ankunft in fußonischem Gesetzesvertrertquartier werde ich in Räume des ruhmreichen Kämpfers für fußonisches Recht geführt, in dessen Dienste ich treten möchte. Nach ritueller Begrüßungszeremonie beginnt seine Befragung. Kurioserweise interessiert er sich mehr für meine Zugehörigkeit zur rollanischen Spezies als für meine Ausbildung. So geht er zum Beispiel davon aus, dass ich als Rollanier keinen Begriff von fußonischer Lebensweise und somit auch nicht von fußonischer Lebensgemeinschaft und Jungenaufzucht habe. Behandelt mich überhaupt sehr von oben herab. Erinnere mich selbst an oberste Direktive:
Nachsicht üben! – und verlasse die Quartiere des Gesetzesvertreters, der mir noch
versichert, seine Offiziere würden sich bei mir melden.

Nächstes Treffen am Dienstagnachmittag, 14.00 Uhr in Verwaltungsstation des hiesigen fußonischen Sektors.

13.58 Uhr: Beame von der Rollerprise in Transporterraum der Sektorverwaltung, um mich unterhalb meines Ranges als Verwaltungsfähnrich zu bewerben. Werde dort von niederem Empfangsoffizier erwartet, der mich nach meinem Begehr fragt. Nenne Koordinaten und Zweck meines vereinbarten Treffens, stoße jedoch auf Verständigungsprobleme.
Fußonischer Empfangsoffizier ist offenbar nicht in der Lage, sich nach Regeln
der fußonischen Standardsprache auszudrücken. Befleißigt sich vielmehr einer unnötig verkomplizierten, äußerst umständlichen, für diese Station jedoch anscheinend üblichen Ausdrucksweise. Verlang von mir bestimmte Dokumente, die mein Eindringen legitimieren.
Als ich diese weder vorzuweisen, noch mich seiner Sprechweise anzupassen vermag, befördert er mich per Traktorstrahl zur stationseigenen rollanierspezifischen Reststoffentsorgungseinheit. Glaubt, ich sei deswegen gekommen.

Anmerkung:
Fußonische Reststoffentsorgungseinheiten sind meist nicht oder nur sehr eingeschränkt rollanierkompatibel. Daher haben Fußonen nach jahrelangem Drängen von rollanischer Seite in offiziellen Stationen eigene Einheiten für Rollanier an die eigenen angegliedert. Da sonst wenig solcher Einheiten verfügbar sind, kann es durchaus vorkommen, dass sich Rollanier eigens aus diesem Grund zu Verwaltungsstationen begeben.

Wie sich jedoch herausstellte, werden fußonenspezifische Reststoffentsorgungszellen auch von ihnen selbst als zu beengt empfunden, oder sind permanent überfüllt, so dass rollanierspezifische Einheiten gern von Fußonen in Anspruch genommen und daher für Rollanier nur noch mit eigenem Schließcode exklusiv zu benutzen sind. Von den Gefahren innerhalb dieser Einrichtungen haben wir den Hohen Rat schon nach Mission 3 unterrichtet!

Nachdem ich dank des fußonischen Empfangsoffiziers mein Treffen in der Sektorverwaltung nicht wahrnehmen konnte, bereite ich mich stattdessen auf mein letztes treffen vor, das für Freitagvormittag, 10.15 Uhr geplant ist.

Freitagvormittag, 10.16 Uhr: Habe in von Fußonen eigens für die Beschäftigung von
Rollaniern eingerichtete Station gebeamt, um hier mein handwerkliches Können unter Beweis zu stellen. Diese Stelle wurde mir seitens des Rollanierbeauftragten der fußonischen Regierung angetragen. Werde herzlich begrüßt und sogleich den anderen hier tätigen Rollaniern vorgestellt. Offenbar erwartet niemand, dass ich mein Können unter Beweis stelle, sondern nur, dass ich mich möglichst zeitnah und reibungslos adaptiere. Stelle fest, dass hier auch andere nicht-fußonische Spezies beschäftigt sind, sich jedoch mit Rollaniern bestens verstehen. Integration in die Fußonenwelt findet jedoch nicht statt.

15.00 Uhr: Beame enttäuscht zurück auf die Rollerprise und melde Mission Arbeit als gescheitert. Offensichtlich ist den Fußonen gar nicht an Kooperation mit Rollaniern gelegen. Müssen uns also weiter in Nachsicht üben?

15.12 Uhr: Starten die Rollerprise und gehen auf Warp… Energie!

 

Text: Creative Commons License Titelbild © Annette Schwindt

Annette Schwindt
Ich mach was mit Schreiben: Ich bin freischaffende Bloggerin, Autorin, Journalistin, Fachlektorin und Beraterin für digitale Kommunikation. Interesse an einer Zusammenarbeit? Außerdem engagiere ich mich für Inklusion und blogge über meine Selbstfindung in Sachen Autismus. Und vor allem bin ich eins: Ein Mensch! - Beiträge per Mail abonnieren -

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