Wenn zwei in der Blogkrise stecken – Ein Gespräch mit Christa Goede

Christa Goede

Wie oft unterhalte ich mich mit Kollegen über digitale Themen und denke nachher „Mensch, wenn wir DAS jetzt aufgezeichnet hätten, das wäre ein toller Artikel geworden!“. Also habe ich mir vorgenommen, künftig eine eigene Rubrik namens Gespräche hier in meinem Blog zu führen, in der ich solche Unterhaltungen – ob als Text, Podcast oder Video – festhalten werde. Nachdem ich kürzlich schon mit Sabria David über „Digital und real“ gesprochen hatte, tausche ich mich heute mit einer anderen lieben Kollegin aus meinem Netzwerk, nämlich mit Christa Goede darüber aus, wie schwer uns das mit dem Bloggen gerade fällt…

Christa Goede

Liebe Annette, bei einem unserer vielen Telefonate über die digitalen Welten, unsere gestreiften Lieblingspullis und den Sinn des Lebens haben wir festgestellt, dass wir beide mitten in einer Blogkrise stecken. Für mich bedeutet das: Mir fällt gerade einfach nichts Gescheites ein, was ich in meinem Blog posten könnte! Alles ist schon da gewesen. Oder zu langweilig. Zu komplex. Zu durchgeknallt. Zu wenig zielgruppenkonform. Zu … ach, was weiß ich. Mir fallen ganz viele Argumente ein, warum ich zurzeit einen Blogbeitrag NICHT schreibe.

Gleichzeitig weiß ich aber, dass ich mein Blog intensiv pflegen MUSS! Denn es ist mein Akquise-Instrument und sorgt für die gute Sichtbarkeit meiner Website – kurz: Meine Kunden finden über dieses Blog zu mir. Eine Falle, aus der ich derzeit keinen Ausweg sehe. Denn ich möchte keine Artikel veröffentlichen, die ich nur halbherzig geschrieben habe …

Warum steckst du in einer Blogkrise?

annette100

Mir geht es ähnlich. Ich sehe um mich herum die ganzen Content-Marketing-Hyperhyper, die mit superwichtigen Redaktionsplänen und gottweißwasfür Strategien um sich schmeißen, dann aber doch meist bloß bereits Dagewesenes wiederkäuen oder xingiges Synergiezeugs im Sinn haben. 😉 Das interessiert mich nicht, das stößt mich eher ab.

Ich schreibe dann etwas, wenn ich was zu sagen habe, oder der Bedarf nach einem bestimmten Thema an mich herangetragen wird. Das kann man schwer vorausplanen. Höchstens mal mittelfristig, wenn sich mehrere Anfragen/Ideen stauen.

Parallel schlage ich mich mit Restrukturierungs-Überlegungen herum: Soll ich veraltete Artikel rausschmeißen und komplett neu schreiben und wann bitteschön, wenn ich nebenbei auch noch eBooks schreiben, Leute beraten und Community Management betreiben möchte. Ich will mit meinem Blog endlich vom reinen Facebook-Erklärbärentum hin zu dem Thema zu kommen, für das mein Blog eigentlich mal gedacht war: In Sachen Kommunikation (nicht bloß Facebook)!

Deshalb restrukturiere ich gerade meine Blogkategorien. Außerdem probiere ich die neuen Notizen für Facebookseiten aus. So kann ich vielleicht künftig über Facebook-Neuerungen nur noch dort berichten und im Blog dann z.B. eine wöchentliche Zusammenfassung machen, damit das auch an die Feedabonnenten rausgeht. Da tüftle ich noch an einem guten Weg…

Und das alles hält mich so beschäftigt, dass ich nicht weiß, wann ich noch worüber sonst bloggen soll… In meinem Kopf ist grade zu viel gleichzeitig los…

Aber sag mal: Hast Du am Ende etwa keinen Redaktionsplan, Christa? 😉

Christa Goede

Doch, ich habe einen Redaktionsplan. Aber der ist im Moment eben ziemlich leer 😉 Ich habe viel zu tun, mehrere Dinge ändern sich gerade, in meinem Kopf gibt es neue Ideen und, und, und. So tüftele ich derzeit mit einer Freundin an einem neuen Workshop-Konzept, in dem es vorrangig um Konzeption geht. Denn uns geht es tierisch auf die Nerven, dass so viele Leute digital kommunizieren wollen, ohne auch nur einen einzigen Gedanken in Ziele, Zielgruppen und die spannende Frage, woher denn die guten Inhalte kommen sollen, investiert zu haben – Hauptsache, sie sind dabei! Dabei ist die Konzeption die Basis für den Erfolg eines solchen Engagements. Und zwar ganz egal, ob es sich um eine Website oder um Social Media handelt.

Außerdem habe ich im Moment das Gefühl, dass Blogbeiträge oft sehr beliebig sind – jeder bloggt, manche gut, die meisten aber nicht. Viele Blogs sind so reißerisch aufgemacht, dass ich gelegentlich schon beim Namen eines Blogs aussteige, denn ich mag Klickbaiting und dieses kreischige Höher-Schneller-Weiter-Toller nicht. Gute Konzepte, gute Inhalte und damit gute Kommunikation sind kein Quickie, sondern harte Arbeit – mit ein paar Kracherüberschriften ist es da nicht getan.

Aber zurück zur Ursprungsfrage – hast du Ideen, wie wir aus unserer Blogkrise wieder rauskommen? Oder hat sich das Medium vielleicht schon überlebt und wir haben das noch gar nicht bemerkt?

annette100Oje, da streiten sich ja schon lange die Geister… Sollte man nur noch in Facebook, LinkedIn etc. direkt publizieren, oder lohnt das eigene Blog nach wie vor? Ich denke, das kommt eben darauf an, wie man die einzelnen Möglichkeiten nutzt. Vor einiger Zeit sind alle zu Medium gerannt, jetzt grade muss man unbedingt auf Snapchat sein (muss man echt?)… ich bin da inzwischen einigermaßen gelassen. Ich mache das, was mir Spaß macht und wo ich mich wohlfühle.

Ich persönlich habe meine wichtigen Texte gern auf meinem eigenen Webspace. Was flüchtiger ist, kann gern woanders hin. Daher ja auch die oben genannte Auslagerung für Berichte über neue Facebook-Funktionen. Die kommen und gehen eh ständig, da kann das gern über die Notizen laufen, statt über das Blog.

Und wie wir aus der Blogkrise wieder rauskommen? Ich glaube, dieser Dialog ist schon mal ein guter Weg, sich über einige Sachen klarer zu werden und neue Ideen zu bekommen, oder? Posten wir ihn doch einfach mal und schauen, welche Reaktionen kommen. Die nehmen wir dann in einem Folge-Beitrag auf und posten den bei Dir. Vielleicht entspinnt sich daraus sogar ein mehrere Blogs vernetzendes Gespräch, falls sich noch andere mit einbringen wollen?

Christa Goede

Ja genau, wir machen mindestens einen Zweiteiler draus, dann haben wir beide einen Blogbeitrag am Haken. 😉 Noch dazu einen vernetzten!

Ja, ich bin auch gerne Herrin über meine eigenen Inhalte und platziere sie am liebsten zuerst in meinem Blog. Denn was passiert, wenn die Horden eines Tages weiterziehen in ein anderes Netzwerk? Dann sind all die schönen Inhalte futsch!

Auf der anderen Seite belasten viele Inhalte aber auch: Wir beide müssen dafür sorgen, dass gut laufende Blogbeiträge aktuell bleiben – oder sie eben mit einem Vermerk versehen, dass mittlerweile alles ganz anders ist. Ganz schön viel Arbeit, die aber nötig ist, um nachhaltig von guten Blogbeiträgen zu profitieren und die Besucher nicht zu verärgern.

Die Facebook-Notizen sind sicherlich eine Möglichkeit, flüchtige Facebook-Infos direkt vor Ort zu platzieren. Deine Fans werden es dir danken, denn sie kommen direkt vor Ort zu den Informationen und müssen sich nicht mehr aus Facebook raus in dein Blog bewegen. Hier sehe ich aber auch eine Gefahr: Facebook bindet immer mehr Content … was passiert, wenn die Leute eines Tages nicht mehr bereit sind, das blaue Imperium zu verlassen? Die Instant Articles sind meiner Meinung nach ein Baustein auf diesem Weg hin zu einer abgeschlossenen Facebook-Welt. – Haha, das wäre ein Thema für einen Blogbeitrag!

Waren Sie schon einmal in einer Blogkrise oder machen sich sonst ähnliche Gedanken wie wir hier? Haben Sie Anmerkungen oder Fragen? Dann freuen wir uns über Kommentare! 🙂

Der Folgebeitrag kann übrigens hier nachgelesen werden: https://www.christagoede.de/blogkrise-ein-gespraech/

Über meine Gesprächspartnerin:

Christa Goede

Christa Goede ist Texterin, Konzeptionerin, Bloggerin und Autorin – und sie ist Mitglied im Netzwerk schwindt-pr. Sie steckt viel Herzblut und noch mehr Fachwissen in digitale Unternehmensauftritte. Im Blog, in Workshops und auf Vorträgen gibt sie ihre Erfahrungen weiter. Wenn sie nicht online ist, häkelt sie kleine Wollmonster, mit denen sie die Welt verschönert.

Annette Schwindt
Ich mach was mit Schreiben. ;-) Ich bin Bloggerin, Autorin, freie Journalistin, Fachlektorin, Beraterin und v.a. ein Mensch!

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