Was ist normal?

Graue Person, die von roten Pfeilen bedrängt wird

Was ist eigentlich dieses „Normalsein“? Wie sieht das aus? Kann mir mal jemand einen zeigen, der diesem „Normal“ so richtig entspricht? So ganz normal halt?

Soweit ich das verstehe, ist „normal“ ein statistischer Mittelwert. Oder ist es doch eher ein willkürlich festgesetzter und von verschiedenen Personen ganz verschieden definierter Zustand?

Wenn ja, welches Normal ist dann das richtige Normal?

Welches Normal ist normale Normal?

Warum ich das frage? Weil so viele Menschen sich damit auseinandersetzen müssen, von anderen als nicht normal angesehen zu werden. Weil von ihnen erwartet wird, dass sie sich dem wie auch immer gearteten Normalen anpassen. Oder man erwartet, dass sie von außen wieder normal gemacht werden können.

Was aber ist dieses Normal?

Wenn jemand als „nicht normal“ bezeichnet wird, ist mit „normal“ meistens einfach das Gegenteil vom Ist-Zustand oder gar vom eigenen als normal postulierten gemeint:

  • Die sitzt im Rollstuhl
  • Der ist so klein wie ein Kind
  • Der hat eine andere Hautfarbe
  • Die ist blind
  • Der kann nichts hören
  • Die kann nicht sprechen
  • Der hat eine andere Religion

Das ist doch nicht normal!

Also schnell her mit etwas, dass sie wieder normal macht, wenn sie es schon selbst nicht auf die Reihe kriegen! Nicht normal sein geht ja gar nicht! Darunter muss man doch furchtbar leiden! Tragisches Schicksal! Nur normal ist gut! Am besten gleich verhindern, dass einer nicht normal wird!

Aber warum?

Ich versteh’s nicht…

Aber ich bin halt auch nicht normal…

Also so normal normal.

Und ganz ehrlich:
Ich will es auch gar nicht sein!

Ich bin ein Mensch wie alle anderen
und wem das nicht passt, dem kann ich auch nicht helfen.

 

Annette Schwindt
Ich mach was mit Schreiben: Ich bin freischaffende Bloggerin, Autorin, Journalistin, Fachlektorin und Beraterin für digitale Kommunikation. Interesse an einer Zusammenarbeit? Außerdem engagiere ich mich für Inklusion und blogge über meine Selbstfindung in Sachen Autismus. Und vor allem bin ich eins: Ein Mensch! - Beiträge per Mail abonnieren -

3 Kommentare

  1. Ich glaube Normal sieht jeder Mensch anders. Es kommt dabei eher auf die Sicht jedes einzelnen Menschen an. Allgemein kann man dieses Thema garnicht fassen. Das ist aber auch gut so, sonst hätten wir sicherlich noch viel mehr Probleme auf dieser Welt.

  2. Meines Erachtens dient der Begriff „normal“ dazu, Menschen in unterschiedliche Kategorien und Werte einzuordnen – ähnlich wie die sogenannten Rankings bei Wirtschaftsunternehmen und Staaten. Eine gefährliche Angelegenheit, die immer mit Auf- oder Abwerten zu tun hat.

    Menschen sollten meines Erachtens so angenommen werden, wie sie sind. Die Vielfalt von uns Menschen ist aus meiner Sicht eine Bereicherung, die oft viel zu wenig für unsere Entwicklung nach vorne gesehen und gelebt wird.

  3. Hallo Annette,
    ich bin sicher, dass viele Menschen von anderen denken, diese seien nicht normal. 🙂 Für mich ist zum Beispiel Mülltrennung normal, für meine Nachbarn nicht. Ich sage „Guten Tag“, wenn ich einen Raum betrete, andere nicht. Vielleicht bin ich altmodisch mit meiner Höflichkeit.
    Man nimmt den eigenen Maßstab, die eigenen Normen, um Dinge/ Situationen zu vergleichen. Das hilft den Menschen, ihre Welt einzusortieren und Erfahrungen zu bewerten. Leider stülpen manche ihre Maßstäbe über andere, in der Annahme, ihre seien die einzig gültigen. Eine andere Meinung/ Ansicht gibt es nicht, man habe ja keine Ahnung. So so. Für mich sind solche Gespräche dann beendet. Ignoranz und Besserwissertum unterstütze ich nicht.
    Meiner Meinung sollte jeder, der für sich etwas beansprucht, anderen die gleiche Höflichkeit erweisen. Aber auch das ist ja scheinbar nicht normal.
    Liebe Grüße, Nathalie

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