Wie ich mir das Büchermachen im IT-Bereich wünsche

Buchblätter in Nahaufnahme

Schon bevor ich seinerzeit das Facebook-Buch geschrieben habe, hatte ich die Essenz davon als kostenloses pdf auf meiner damaligen Website veröffentlicht. Das war superpraktisch, denn da konnte ich jederzeit dran und Updates einpflegen. Dann noch die Community per Blog und Social Media darüber benachrichtigen und fertig. Neben meinem Blog war das für mich die sinnvollste Möglichkeit, meinen Lesern möglichst aktuelle Infos liefern zu können.

Dass das in einem Print-Buch nicht umgesetzt werden konnte, war klar. Also versuchte ich zunächst via Buchblog und meinem ursprünglichen Blog für Abhilfe zu sorgen. Das wurde zum Fulltime-Job, dem ich bald nicht mehr gerecht werden konnte. Meine Versuche, eigene Ideen in Sachen eBooks einzubringen, sind regelmäßig gescheitert und so habe ich schließlich die Zusammenarbeit mit dem Verlag gekündigt.

Andere Verlage, die danach anfragten, ob ich nicht bei ihnen als Autorin tätig werden wolle, konnten auf meine Ideen auch nur mit dem nichtssagenden und garantiert im Sande verlaufenden „Das müssen wir uns mal ansehen“ antworten. Mir ist klar, dass Verlage zuerst Geld verdienen müssen, aber gerade im Sektor der IT-Sachbücher verstehe ich das Festkleben an alten Strukturen wirklich nicht mehr.

Meine Ideal-Vorstellung

„eBooks verkaufen sich hierzulande nicht“, heißt es dann. Ich glaube aber nicht, dass es am Format eBook liegt, sondern an den angebotenen Modellen. Ich bin kein Betriebswirtschaftler und auch kein Verlagsmensch, aber ich bin Autorin und Leserin. Also die Zielgruppe, von denen Verlage leben. Und hier ist meine Wunschvorstellung davon, wie ich gerne Sachbücher zu IT-Themen schreiben und lesen würde:

  1. eBook first – Es ist mir nicht erklärlich, warum in einem bereits digitalen Produktionsprozess das eBook NACH dem Printbuch kommen soll und nur eine digitalisierte Version desselben sein muss. Warum kann man nicht die Vorteile von eBooks zum Erweitern der Möglichkeiten nutzen?
  2. Updates inklusive – Das betrifft sowohl den Schreibprozess als auch den Leser. Ich möchte seitens des Verlags eine Möglichkeit, als Autor Updates direkt ins Buch einpflegen zu können, so dass der Leser sein eBook direkt updaten kann. Mit Benachrichtigung an die bestehenden Leser (egal ob cloudbasiert als Meldung im Buch oder bloß per E-Mail). Ob das nun optional mit Aufpreis oder standardmäßig gemacht wird, ist mir egal. Ich möchte die Möglichkeit haben.
  3. Modulares Baukastensystem – Ich möchte keine Wälzer mehr, sondern kleinere Portionen Text, die ich mir als Leser je nach dem, was ich brauche, modular aus einer Themen-Serie zusammenstellen kann.
    • So könnte jemand, der schon eine Facebook-Seite hat, vielleicht nur an den Modulen zur besseren Nutzung und richtigen Vernetzung von Seiten interessiert sein, nicht aber an den Modulen zur Profilregistrierung und Seitenerstellung.
    • Oder jemand interessiert sich nur für die verschiedenen Arten von WordPress-Themes, möchte einige davon genauer kennelernen und sich außerdem über Child-Themes informieren, braucht aber die Module zur Grundinstallation, zu Plugins oder zur Erklärung des Backends nicht.
  4. Print on demand – Wer es unbedingt gedruckt haben möchte, kann sich das ebenso zusammenstellen und dann on demand liefern lassen, muss dann aber für Updates das jeweilige Modul neu kaufen.

In so einem Modell würde sicher keiner so schnell das Printbuch dem eBook vorziehen. Ich als Leser jedenfalls nicht. Und als Autor wäre ich damit um Längen zufriedener als mit dem alten System.

Experimentierfreude gesucht

Mir ist klar, dass es sich dabei um eine Idealvorstellung handelt, die offenbar bisher von Verlagen nicht umsetzbar ist. Ich würde mich gern mal mit jemandem vom Fach darüber unterhalten, woran es da genau hakt. Denn dass das aktuelle Modell nicht dauerhaft funktioniert, davon können all die Verlage aus dem IT-Bereich ein Lied singen, die bereits das Zeitliche gesegnet haben. Warum wehren sich die Verbliebenen dann so vehement, was Neues auszuprobieren?

Hier bin ich! Ich würde gerne experimentieren und was bewegen. Und ich bin sicher, dass da noch einige andere Autoren aus dem Sachgebiet sind, die so ein Modell gut fänden. Fehlt nur noch ein Verlag, der auch gern mal was ausprobieren würde…

Annette Schwindt
Ich mach was mit Schreiben: Ich bin freischaffende Bloggerin, Autorin, Journalistin, Fachlektorin und Beraterin für digitale Kommunikation. Interesse an einer Zusammenarbeit? Außerdem engagiere ich mich für Inklusion und blogge über meine Selbstfindung in Sachen Autismus. Und vor allem bin ich eins: Ein Mensch! - Beiträge per Mail abonnieren -

2 Kommentare

  1. Ich finde (nur als Leserin), das sind tolle Ideen, die den Büchermarkt revolutionieren könnten. Offenbar sind die Verlage einfach noch nicht so weit.
    Dabei wird die fortschreitende Digitalisierung ohnehin auch den Buchmarkt ordentlich umkrempeln.

    Aber warum auch voran gehen und einfach mal was Neues ausprobieren? Warum mutig und innovativ sein? Da werden doch wieder Chancen verschlafen….as finde ich schade! Hätte ich ein paar Kapazitäten, würde ich glatt nen Verlag gründen.
    „Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat’s einfach mal gemacht.“
    Ich wünsche Dir, liebe Annette, dass sich ein Mutiger findet, der bereit ist, das zumindest einfach mal auszuprobieren. Meine Daumen dafür sind gedrückt!
    Liebe Grüße
    Petra

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