Emojis sei Dank! – Wie Kai und ich arbeiten

Herz auf Tastatur

Als ich im Mai 2015 von der Aktion #einbuchfürKai und der dahinter stehenden Geschichte von Kai-Eric Fitzner und seiner Familie erfuhr, hatte ich, abgesehen von der rein menschlichen Seite, gleich mehrere persönliche Gründe, mich zu beteiligen:

  • Ich weiß, wie es ist, wenn jemand, den man liebt, im Koma liegt und man nicht weiß, wie es weitergeht.
  • Ich kenne mehrere Menschen, die mit den Folgen einer Hirnverletzung leben.
  • Ich habe auch Herzrhythmusstörungen und kann jederzeit in dieselbe Lage wie Kai geraten.

Es war also keine Frage, dass mein Mann Thomas und ich damals sofort gespendet und Kais Buch „Willkommen im Meer“ gekauft und weitergesagt haben.

Zusammen mit den anderen Unterstützern, vorneweg Johannes Korten, freuten wir uns herzlich mit, als Kai wieder zurück ins Leben fand. Wir verfolgten mit, wie seine Frau Raja in Kais Profil über die Fortschritte oder einfach nur Fotos postete. Und schließlich freuten wir uns darüber, dass Kai wieder selbst auf Facebook aktiv wurde, indem er Sharing und Emojis verwendet. Denn mit dem Schreiben und Sprechen klappt es noch nicht so wie es soll.

Ich weiß noch, wie gerührt ich war, als ich dann bei meinem letzten Geburtstag Folgendes in meinem Facebook-Profil vorfand:

Geburtstagsposting mit Herz-Emoji von Kai an AnnetteIm vergangenen Dezember kam ich schließlich mit Raja wegen einer Krankenversicherungsfrage ins Gespräch, wir telefonierten lang und chatteten noch mehr. In den Chat bezogen wir auch Kai mit ein und schließlich fiel mir auf, dass Kais Blog ja seit Februar 2015 nicht mehr aktualisiert worden war. Ich fragte also, ob ich da nicht helfen könnte, was auf große Zustimmung traf.

Seit ein paar Tagen sind wir nun also dran und haben zunächst die Seite über das Buch sowie die Über-mich-Seite aktualisiert. Auch an den Plugins gab es was zu schrauben. Kai und ich versuchen dabei möglichst viel allein via Messenger zu regeln, indem ich möglichst einfache Ja-Nein-Fragen stelle, die er mit Emojis beantworten kann. Dabei entstehen dann solche Gespräche wie Folgendes:

Ich hatte Kai gefragt, ob ich das Sharing-Plugin in seinem Blog wechseln könne, da er dort noch ein veraltetes benutzte. Er hatte zugestimmt und ich wollte es gerade installieren, als ich sah, dass er es schon gemacht hatte. Offenbar hatte er jedoch Probleme mit den Einstellungen. Ich also:

Annette: Hey, Du warst schneller als ich mit dem Plugin! Smilie. - Kai: Smilie, der bescheiden lächelt. - Annette: Soll ich mit den Einstellungen helfen? - Kai: Nachdenklicher Smilie. - Annette (erklärt die richtigen Einstellungen) - Kai: Trauriger Smilie.Annette: Soll ich das machen? - Kai: Smilie, der auf dem Kopf steht. - Annette: Möchtest du es selbst ändern? - Kai: Leidender Smilie. - Annette: Okay, okay, ich mach es. Zwinkersmilie. - Kai: Grinsesmilie.An der Stelle saßen wir sicher beide kichernd vor dem Bildschirm. 😀

Auf diese Weise besprechen wir uns jetzt weiter, während ich in seinem Blog die vergangenen Ereignisse festzuhalten versuche. Wenn es mal zu kompliziert wird, holt er eben Raja dazu und weiter geht’s. 😉 Auf demselben Weg haben wir natürlich auch abgesprochen, dass ich das hier veröffentlichen darf.

Ich freue mich sehr über diese Zusammenarbeit und bin gespannt, was noch kommt! Leider kann Johannes Korten das nicht mehr miterleben, aber wir denken viel an ihn und sein „Das Netz ist ein guter Ort, wenn wir es dazu machen!“ ♥

UPDATE 30.3.2017: Seit dem 11.2. skypen Kai und ich zusätzlich zum Chatten und seitdem tut sich einiges! Mehr dazu in Kais Blog ab „Love is all around“ und hier unter „Spannende Zeiten mit #einRadfuerKai

UPDATE 22.9.2017: Kai hat inzwischen seinen eigenen tag hier im Blog, über den man alle passenden Beiträge finden kann. Wir freuen uns gerade auf seinen 4. Besuch demnächst und unseren ersten bei ihm, der dazu dienen wird, die Lage für unseren Umzug nach Oldenburg zu eruieren. Denn inzwischen sind wir unzertrennlich geworden.

Kai und Thomas liegen mit dem Kopf auf Annettes Schultern

Annette Schwindt
Ich bin entweder selbst schreibend tätig, oder wirke für andere als Kommunikations-Katalysator. Das bedeutet: Ich begleite andere bei ihrem eigenen Projekt und bringe sie durch Beratung und Vernetzung voran. Interesse an einer Zusammenarbeit? Übrigens: Ich verorte mich selbst im autistischen Spektrum, ich (re)agiere also nicht immer so, wie andere es erwarten. ;-) Aber keine Angst: Ich beiße nicht, denn vor allem bin ich eins: Ein Mensch! - Beiträge per Mail abonnieren -

17 Kommentare

  1. Hallo Annette,

    ich habe gerade Tränen in den Augen, wie wunderbar Du bist! Ich wusste ja gar nicht, dass ihr beide Euch überhaupt kennt und jetzt das. Mir geht das Herz auf. Danke!! ❤️😍😘☀️

  2. Ach Leute, ich bin nicht wunderbar. Ich wollte mit dem Artikel doch nur zeigen, wie man auch ohne Worte erfolgreich kommunizieren kann, und dass wir Spaß dabei haben. Schließlich ist Kommunikation mein Steckenpferd und es fragen sich bestimmt einige, wie Kai und ich das machen. Das ist alles.

  3. Hallo Annette,
    was für ein wundervoller Beitrag und ja, es kann uns alle jederzeit erwischen. Meine Mutter hat auch Herzrhythmusstörungen und wir sind froh über jeden Tag, an dem es ihr gut geht. Gesundheit ist einfach unser höchstes Gut und wenn es einmal hart auf hart kommt, dann ist es wundervoll, wenn man Freunde und eine Familie hat, die bedingunslos hinter einem stehen und einen unterstützen. Dein Beitrag und Deine Freundschaft zu Kai machen Mut und Hoffnung und „das Netz zu einem guten Ort“.
    Ganz liebe Grüße,
    Heike 😘👍🏼🙏

  4. Hallo Annette.
    Beim Morgenkaffee im Bett bin ich via Twitter über deinen bewegenden Beitrag gestolpert – und bin zu spät zur Arbeit gekommen, weil ich noch so viele andere schöne Beiträge gelesen habe.
    Sehr berührend, sehr schön. Und ganz nebenbei finde ich gute Tipps für meinen kleinen Blog. Danke!
    Herzliche Grüße aus Schwarzrheindorf,
    Daniela

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