Wir zu dritt #teamsutsche

Ein Beitrag von Thomas Reis

 

Hier im Blog ist ja viel von #teamsutsche die Rede. Dabei sieht man meist nur Annette und Kai, zwei von uns dreien, in Aktion. Das liegt daran, dass ich aus arbeitstechnischen oder organisatorischen Gründen nicht immer mit ihnen zusammen losziehen kann. Aber #teamsutsche, das sind wir drei. Manche werden sich vielleicht fragen, was das eigentlich für mich bedeutet. Das zu erklären, möchte ich hier versuchen:

Für mich ist es eine genauso interessante wie schöne Erfahrung, wie Kai in unser Leben gekommen ist und aus zweien drei wurden. Wenn vom #teamsutsche die Rede ist, dann ist das nämlich genau einer der wesentlichen Aspekte: Wir sind ein Team von dreien, die entdeckt haben, dass das Leben für sie besser ist, wenn sie es zusammen meistern. Wir ergänzen uns mit den Eigenschaften, die jeder von uns mitbringt, auf nahezu ideale Weise.

Doch #teamsutsche geht darüber noch weit hinaus. Wir gehören auch emotional zusammen. Es war die vielleicht spannendste Entdeckung, die wir drei in den vergangenen Monaten machen durften, dass es Herzensverbindungen gibt, die auf so existentiellen Themen gründen und damit so tief gehen, dass man keine Worte dafür findet. So eine Herzensverbindung ist das Band, das uns zusammenhält.

In der Abwärtsspirale

Dass es so gekommen ist, war noch vor eineinhalb Jahren nicht absehbar: Ende 2016 waren Annette und ich Kai noch nicht persönlich begegnet. Die Geschichte von Kais Schlaganfall, #einBuchfuerKai und Kais Fortschritte danach waren uns nur aus der Ferne bekannt. Von dem, was da kommen würde, hatten wir noch keine Ahnung.

Es war ein Zeitpunkt in unserem Leben, zu dem wir uns in einer so schlimmen Krise befanden, dass sie zur ernsten Bedrohung wurde: Annettes Herzrhythmusstörungen gerieten trotz der Behandlung, die bislang so einigermaßen gewirkt hatte, mehr und mehr außer Kontrolle. Wir hatten uns schon daran gewöhnt, dass wir damit ein bis zwei Mal im Jahr in die Notaufnahme mussten. Hinterher benötigte Annette immer lange, um sich davon zu erholen und ihre Kraftreserven wenigstens halbwegs wieder aufzufüllen.

Nun sahen wir uns Anfang 2017 innerhalb weniger Wochen gleich mehrfach mit diesen lebensbedrohlichen Situationen konfrontiert. Die Erholungsphasen waren dadurch schlicht zu kurz, um wirksam zu sein. Schlimmer noch: Die Ärzte waren keine wirkliche Hilfe. Einige schafften es sogar, unsere Verunsicherung noch zu vergrößern, indem sie im Vorbeigehen bemerkten, dass man „damit ja sowieso nicht sehr alt werde“.

Es wurde eine Umstellung der Medikamente verordnet, die Annettes Herzrhythmusstörungen kontrollieren sollten. Als jedoch die Nebenwirkungen dieser Umstellung unerwartet heftig ausfielen, schien sich diese Hoffnung zu zerschlagen. Das griff nicht nur Annette sehr an. Ich wurde mir mehr und mehr bewusst, dass ich mit meinem Latein am Ende war.

Ich hatte immer mein Bestes gegeben, Annette mit ihren gesundheitlichen Problemen aufzufangen: Emotional aber auch in den ganz alltäglichen Dingen. Hatten wir uns sowieso von Anfang an darauf geeinigt, die lästige Hausarbeit untereinander aufzuteilen, habe ich nach und nach immer weitere Aufgaben zusätzlich übernommen, oder über Dritte für Entlastung gesorgt. Mit der Verschärfung von Annettes gesundheitlicher Situation geriet nun nicht nur sie in eine Abwärtsspirale, sondern auch ich. Ich kam immer näher an das Ende meiner Kraft und hatte gleichzeitig immer mehr den Eindruck, nichts Positives mehr für Annette bewirken zu können.

Das begann schließlich, auch einen der wichtigsten Grundpfeiler meines Lebens zu erschüttern, nämlich meinen Optimismus. Eines der größten Geschenke, die mir meine Eltern mit auf den Weg gegeben haben, ist das feste Vertrauen darauf, dass sich die Dinge immer zum Positiven wenden lassen, wenn man sich selbst nur genügend ins Zeug legt. Sollte das, was mir im Leben schon so oft geholfen hatte, nun ausgerechnet dem Menschen, den ich am meisten liebe, nicht mehr helfen können?

Ich war ratlos und wurde zunehmend panisch. Ähnlich wie die so oft beschriebenen Helikoptereltern, versuchte ich alles Belastende und Schwere von Annette fernzuhalten, was sowohl mich weiter überforderte, als auch Annette schadete, weil ich sie passiv machte.

Und dann kam Kai

Eine Wende zum Besseren deutete sich an, als wir uns vornahmen, Kai dabei zu unterstützen, ein spezielles Fahrrad zu erwerben, mit dessen Hilfe er sich seine Umgebung besser erschließen kann. Annette hat es viel besser beschrieben, als ich das kann, wie #einRadfuerKai zu einem so großen Erfolg wurde und wie sich daraus nach und nach viel mehr entwickelte. Ich habe von Anfang an hautnah miterlebt, wie Annette und Kai bald täglich miteinander skypten. Ich war dabei, wie Kai Annette Mut machen konnte, mit ihrer Medikamentenumstellung trotz der heftigen Nebenwirkungen weiter zu machen, bis endlich die richtige Dosis Wirkung zeigte. Immerhin hat er die gleiche Art von Herzrhythmusstörungen wie Annette und selbst solche Erfahrungen hinter sich.

Diese Erfahrungen, ganz zentral der Schlaganfall und seine Folgen, sind es wohl auch, die Kai eine sehr forsche Haltung zu seiner eigenen körperlichen Konstitution haben entwickeln lassen. Es ist eine Haltung, die sich Stück für Stück auch auf Annette übertrug und sie nach erfolgreicher Umstellung der Medikamente wieder mutiger in Bezug auf ihre eigene körperliche Konstitution werden ließ.

Besonders wenn Kai bei uns ist, lässt sie sich von Kai viel stärker aktivieren, als ich das selbst auch nur ansatzweise könnte. Es ist einfach herrlich, mit ansehen zu dürfen, wie Annette und Kai einander gut tun! Seitdem darf ich miterleben, wie es Annette von dem Tag, an dem sie erstmals mit Kai gesprochen hat, immer besser geht. Gleichzeitig kann ich spüren, wie auch von mir eine ungeheure Last abfällt. Ganze Felsformationen purzeln da von meiner Brust. Man merkt es wohl immer erst hinterher, was sich da alles an Sorgen angesammelt hat.

Ebenso habe ich von Anfang an miterlebt, wie sich Annette und Kai immer näher kamen. Klar bin ich da anfangs irritiert gewesen. Doch ich habe sie darin bestärkt hat, alles genau so fortzuführen und sich darauf einzulassen, was sich aus den Gesprächen mit Kai ergibt. Denn um nichts in der Welt hätte ich verhindern wollen, was ihr ersichtlich so gut tut – und sich auch auf mich so positiv auswirkt. Von den Schleusen, die das bei Kai geöffnet hat, mal ganz abgesehen.

Kai und ThomasAußerdem haben Kai und ich uns auch immer besser kennengelernt, und unsere eigene Verbindung wurde dabei ebenfalls immer stärker. Wir ticken nämlich in ziemlich vielen Dingen ähnlich und teilen eine Menge Überzeugungen. Was uns aber am meisten verbindet, ist die Bedeutung, die Annette für unser Leben erlangt hat.

Mittlerweile haben wir schon einige Zeit zu dritt verbracht, haben immer wieder über längere Zeit hier in Bonn und im Urlaub in Paris miteinander auf engem Raum zusammengelebt, haben miteinander gelacht und geweint. Ich möchte die gemeinsame Zeit mit Kai nicht mehr missen. Wir zu dritt, das ist die Zeit, in der alles besser geht. Wir sind tatsächlich zu einem Team geworden. Zu #teamsutsche.

Ich bin sehr gespannt, wie wir uns als Team weiter entwickeln werde, und freue mich darauf, es mit Annette und mit Kai herauszufinden.

Mehr über Thomas hier im Blog lesen bis er seine Bio nachgetragen hat 😉

2 Gedanken zu “Wir zu dritt #teamsutsche

  1. Eine herzerwärmende Schilderung, Thomas. Ich wünsche dem #teamsutsche immer die nötige Portion Gelassenheit die es braucht, ausreichend entschleunigt und entspannt das Leben zu genießen, auch gegen der Strom der Hektik und des Stresses, von dem Mensch sich viel zu oft mitreißen lässt. Ganz liebe Grüße, Caro

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