Es gibt immer wieder so Momente mit den Deutschlernenden, da stehe ich nur noch mit großen Fragezeichen da und habe absolut keine Ahnung, was gemeint ist.
So unterhielt ich mich neulich mit einem jungen Iraker, der gerade seine Ausbildung zum Landschaftsgärtner abgeschlossen hat und nun eine Stelle in Deutschland sucht. Nachdem er fast siebzig Bewerbungen verfasst und abgeschickt hatte, galt es nun erst mal zu warten.
Also fragte ich ihn, was er denn inzwischen vor habe. Er antwortete, er wolle zusammen mit seinem Bruder „ein Schlachterauto fahren lernen“.
Öhm…???
„Was ist ein Schlachterauto?“, läuft mein Hirn jetzt heiß… Ist das was Kulturelles wegen Halal? Muss da jemand bestätigen, dass man richtig schlachtet, oder darf nur der Schlachter das und der fährt deswegen mit einem speziellen Auto…? Äähhh…?
Ich frage: „Ein Schlach-ter-auto???“
Enthusiastisches Nicken meines Gegenübers. Jaa, das hätten sie sich schon länger vorgenommen und jetzt hätten sie endlich mal Zeit dazu.
“Ja, aber was wird da geschlachtet und wo?“
“Na, im Auto!“
“Echt jetzt? Aber du bist doch Landschaftsgärtner…?“
“Ja, wieso? Aber Schlachterauto – das kann man doch immer mal gebrauchen!“
„Tut mir leid, das versteh ich nicht.“
…
Er: „Kennst du echt nicht? …Schlachterauto?“
…
“Nein, tut mir leid.“
“Doooch! Soooo! Schlachter-Auto!“, er bewegt den ausgestreckten Unterarm mit geballter Faust wie um einen Hebel vor und zurück.
!!!
Na? Was hat er gemeint?
Er meinte einen Schaltwagen (offenbar fährt er bisher nur Automatik).
PS.
Ein anderer Deutschlernender wunderte sich, warum ihm die Muttersprachler nicht folgen konnten, wenn er davon redete, dass es hierzulande einen „Arbeitskräftemagen“ gebe.
Schließlich fand er heraus, dass er das Wort falsch benutzt hatte.
Er meinte den ArbeitskräfteMANGEL!
Als ich ihm vom Schlachterauto erzählte, mussten wir beide lachen und fragten und uns scherzhaft, ob das vielleicht etwas sei, das man für den Arbeitskräftemagen gebrauchen könnte. 😉
UPDATE: Derselbe Deutschlernende hat mir noch ein weiteres Wort genannt, bei dem er sich oft vertan hat: Demnach trinken die Deutschen wohl gerne „Leistungswasser“. 😉
Über diese Beitragsreihe
Als Sprach-Nerd bleibe ich ständig an Wörtern hängen, die mich dann den ganzen Tag begleiten. Warum sie also nicht festhalten? Das können Verhörer/Verleser sein oder eigentümliche Aussprachen in Dialekten oder Fremdsprachen oder lustige Versprecher oder Vertippereien.
Wichtig: In keinem Fall möchte ich mich darüber lustig machen, sondern bestaune einfach die Formen, die Sprache annehmen kann. Und die Missverständnisse oder Erklärungsversuche, die daraus entstehen.


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