Vor ein paar Tagen ist es passiert: Jemand hat mich von dem schmalen Grat gestoßen, auf dem ich durchs Leben zu navigieren versuche, ohne an all den persönlichen Herausforderungen gepaart mit dem Wahnsinn da draußen kaputt zu gehen.
Seitdem versuche ich, wieder hoch zu klettern, rutsche immer wieder ab, kratze mich wieder zusammen und versuche es nochmal. Die gute Nachricht: ich schaffe es immer ein kleines Stückchen weiter. Aber der Grat, auf dem ich mich vorwärts bewegt habe, scheint deutlich schmaler als vorher…
Zum Glück habe ich ein gutes Netzwerk und konnte schnell mit verschiedenen Leuten sprechen, um mir Rat und Unterstützung zu holen. Dabei stellte ich jedoch fest, dass egal mit wem ich sprach, alle auf demselben Grat balancieren. Einige sind schon mal selbst runtergefallen und haben den Weg zurück gefunden, andere klettern noch. So wie ich. Aber keiner, wirklich keiner, ist dabei, der gerade bequem einfach so dahin spazieren könnte.
Selbst Menschen, bei denen ich früher wusste, dass mich ein Gespräch mit ihnen wieder mehr Balance finden lassen würde, haben dasselbe Problem. Wirklich Rat weiß keiner. Nur berichten, wie sie sich zu helfen versuchen, das geht. Also tauschen wir uns darüber aus, zeigen Verständnis füreinander und versuchen, uns gegenseitig da eine Hand zu reichen, wo es eben gerade geht.
Manche waren oder sind gar stationär in Behandlung, weil gar nichts mehr ging. Andere versuchen es mit alternativer Medizin, Schamanen, Heilern… Fast alle versuchen, sich vom Informationsoverload fernzuhalten, manche flüchten sich in fiktive Welten.
Mir helfen bestimmte Meditationen – interessanterweise funktionieren bei mir nur englischsprachig geführte. Eine Bekannte meint, da schalte sich mein Intellekt ab und das helfe mir, mich wirklich darauf einzulassen. Von der App Insight Timer hab ich hier ja schon öfter erzählt. Deren wirklich günstige Bezahlversion gönne ich mir seit vielen Jahren, schon aus der Zeit vor Corona, und sie hat mich schon viele Male gerettet.
Eine Followerin hat mir vor längerer Zeit empfohlen, immer Buttermilch griffbereit zu haben, da auch das bei Unruhezuständen hilft. Tut es wirklich, weil Tryptophan und was weiß ich… mir egal, hauptsache es wirkt. Ein anderes Hausmittel ist Salbeitee, den man warm und kalt trinken kann. Frisches Obst hilft mir auch.
Dann gibt es da noch Akkupressur-Reflexpunkte. Mir hilft bei Unruhe der Punkt, wo beim Faust Machen der Mittelfinger die Handfläche berührt. Den 60 Sekunden kreisend massieren beruhigt mich. Ansonsten muss ich jedwede Reize möglichst reduzieren. Ich schaue Reisedokus, alles andere triggert schon wieder. Und ich schlafe viel.
Was meine Hausärztin dazu sagt? Tja… die war es ja, die mich erst zum Absturz gebracht hat. Denn Geld verdienen hat bei ihr Vorrang vor solchem Kokolores wie mentaler Gesundheit. Noch einmal muss ich jetzt dorthin, um ein Rezept für überlebenswichtige Herzmedikamente bekommen zu können. Dann muss ich mir innerhalb von drei Monaten (solange halten die Herzmedikamente) einen neuen Hausarzt suchen, der meine Angst nicht beiseite wischt. Unnötig zu erwähnen, dass mir das auch nicht gerade süße Träume beschert…
Inzwischen klettere ich weiter, zurück auf den schmaler scheinenden Grat, und hoffe, dass für uns alle am Ende alles gut wird. Denn das muss es doch, oder?
Vielleicht hilft inzwischen dieser Beitrag anderen zu erkennen, dass sie mit ihrem eigenen Balanceakt nicht alleine sind…
Grafik erstellt mit Canva

