Über Yoga – Ein Bloggespräch mit Ute Lange

Meine heutige Gesprächspartnerin und ich sind uns bisher hauptsächlich online begegnet, obwohl wir in derselben Stadt wohnen. Umso mehr freut es mich, dass sie sich für ein Bloggespräch gemeldet hat. Noch dazu zu einem Thema, das mich auch interessiert: Yoga. Los geht‘s:

Annette Schwindt

Liebe Ute, wie schön, dass wir uns endlich mal näher miteinander austauschen können. 🙂 Ich möchte schon so lang mit Yoga anfangen, aber dann kam die Pandemie dazwischen. Womit ich mich aber schon länger beschäftige, ist das Meditieren. Auch dabei ist das Atmen wichtig. Wie bist Du darauf gekommen, mir Yoga als Thema vorzuschlagen?

Liebe Annette, erst einmal freut es mich sehr, dass wir uns mal intensiver austauschen können. Herzlichen Dank für diese Gelegenheit. 

Auf Yoga bin ich gekommen, weil ich im April eine Ausbildung als Yogalehrerin begonnen habe und ich mich daher momentan selbst sehr intensiv damit beschäftige. Nicht nur während der Module (bislang 2 von 8 bis Oktober), sondern auch dazwischen. Bei mir in der Wohnung liegen zurzeit überall Yoga Bücher herum … Und ich praktiziere gerade auch viel mehr als vorher. 

Wie bist du zu Meditation gekommen?

Meditation und Yoga Nidra

Annette Schwindt

Schon im Gymnasium haben wir autogenes Training gemacht und ich hab festgestellt, dass ich beim Singen, oder wenn ich über Kopfhörer in Musik eintauche, in einen ähnlichen Zustand gerate. Das war lange bevor ich was von Frequenzen und Klangmeditationen wusste. 

Darauf bin ich tatsächlich erst vor einigen Jahren gestoßen, als die Meditationsapps bekannter wurden. Nach einigem Testen hat mich Insight Timer am meisten überzeugt. Dort gibt es alles von Anfängerkursen fürs richtige Atmen und Körpergefühl, über Meditationen zu speziellen Themen bis eben zu Klangmeditationen. Am meisten nutze ich sogenannte Sound Baths (Klangbäder). Es gibt auch Meditationen, die heißen Yoga Nidra. Sagt Dir das was? Hat das was mit dem Yoga zu tun, den Du praktizierst?

Spannend, dass du nach Yoga Nidra fragst. Ich habe das selbst erst vor kurzem kennengelernt. Yoga Nidra ist eine Übung der Tiefenentspannung, deren Wirkungen über die gewohnte Vorstellung von Entspannung hinausgehen. Das Wort Nidra kommt aus dem Sanskrit und bedeutet „Schlaf“ oder „Nicht-Bewusstheit“. Bei der Übung handelt sich um eine Art psychischen Schlaf (oft auch als Schlaf des Yogi oder schlafloser Schlaf bezeichnet), in dem körperliche, geistige und seelische Aktivitäten zur Ruhe kommen sollen. Es ist damit mehr als eine Entspannungsübung, enthält aber keine Körperübungen. Es soll dem Körper Frische bringen und das Gehirn in einen Zustand bewusster Ruhe bringen. Und genau so habe ich es erlebt. 

Meine Yogalehrerin hat das mit uns in ihrem Kurs “Pranayama und Meditation” gemacht. Sie stellt uns jede Woche eine andere Atemübung oder “Atemreise” wie sie es nennt vor. Das ist mittlerweile für mich eines der Highlights meiner Woche.

Zum Begriff Pranayama noch eine Erklärung, falls du ihn nicht kennst: Er kommt auch aus dem Sanskrit und setzt sich zusammen aus Prana (Lebensenergie) und Ayama (kontrollieren). Pranayama bedeutet soviel wie die Vertiefung und Regulierung des Atems durch Achtsamkeit. 

Kannst du mir Klangbäder erklären? Und welche Wirkung haben sie auf dich?

Naturgeräusche und binaurale beats

Annette Schwindt

Klangbäder sind quasi Musikstücke nur eben aus ineinander verwobenen Klängen, deren Ursprung nicht unbedingt Instrumente sein müssen. Meist sind Naturgeräusche wie Wasser oder Wind gemischt mit Klangschalen oder Gong und Gitarre, Cello oder Klavier. Zusammen ergibt das etwas, in das man sich hinein versenken kann. Eben wie ein Bad aus Klängen. Dabei gibt es welche zum Entspannen, welche gegen Stress oder Angst, welche mit binauralen beats, die gegen Schmerzen helfen und/oder heilungsfördernd sind. Manche Klangbäder sind reine Töne, manche am Anfang noch mit Atemübungen verbunden.

Interessanterweise wirken nicht alle so auf mich, wie es in den jeweiligen Beschreibungen steht. Geplätscher stört mich zum Beispiel beim Entspannen, Meeresrauschen dagegen nicht. Ich mag am liebsten die, die ganz ruhig und komplex verwoben sind. Ich kann dabei wunderbar meinen Kopf abschalten, was mir sonst wirklich schwer fällt, und mich wegtragen lassen bis ich nur noch bin, ohne konkrete Gedanken oder spezifische Gefühle. Ich schwebe dann quasi, ein Zustand, der sich schwer beschreiben lässt. 

Ich hab schon öfter versucht, anderen diese Erfahrung zugänglich zu machen, bin aber eigentlich immer daran gescheitert, dass sie nicht loslassen können. Ist das etwas, von dem Du auch lernst, wie man es anderen beibringt? Oder kommt es beim Yoga mehr auf die Konzentration an als aufs Loslassen?

Der achtstufige Pfad des Yoga

Das klingt sehr schön. Plätschern kann ich auch nur schwer ertragen, aber Meeresrauschen finde ich wunderbar. Das wirkt sehr beruhigend und irgendwie erdend auf mich.

Yoga ist sehr vielfältig. Und hat viele unterschiedliche Aspekte, die man lernen und unterrichten kann. 

Ich fange mal vorne an. Man spricht vom achtgliedrigen oder achtstufigen Pfad des Yoga:

  1. Yamas – der Umgang mit der Umwelt
  2. Niyamas – der Umgang mit sich selbst
  3. Asanas – der Umgang mit dem Körper
  4. Pranayama – der Umgang mit dem Atem
  5. Pratyahara – der Umgang mit den Sinnen

6. – 8. Samyama – der Umgang mit dem Geist:

  1. Dharana – Konzentration
  2. Dhyana – Meditation
  3. Samadhi – das Höchste: die innere Freiheit

Jede Stufe – oder manchmal auch als Disziplin bezeichnet – hat ebenfalls unterschiedliche Aspekte. Zum Beispiel die Yamas:  

  • Ahimsa: Gewaltlosigkeit
  • Satya: Wahrhaftigkeit
  • Asteya: Nicht-Stehlen
  • Brahmacarya: Handeln im Bewusstsein des „Göttlichen“
  • Aparigraha: Anspruchslosigkeit

Viele Menschen im Westen kommen über die Asanas, also die körperliche Praxis zum Yoga. Ich auch. Ich habe schon immer viel Sport getrieben und habe vor gut 2,5 Jahren eine Trainerin auf YouTube kennengelernt, die Vinyasa Yoga lehrt. Das ist ein sehr kraftvoller und dynamischer Stil, bei dem Bewegung und Atem synchronisiert werden. Anfangs war es der sportliche Aspekt, der mir sehr gefallen hat. Nach und nach habe ich gemerkt, dass ich ruhiger und ausgeglichener werde und habe angefangen, mich mehr mit dem Atem und Körper-Zusammenspiel zu beschäftigen. Und wollte dann immer mehr über Yoga und seine Philosophie und Wirkung erfahren.

Der bereits erwähnte Kurs zu Pranayama und Meditation fasziniert mich sehr. Die Techniken, die die Yogalehrerin mit uns übt, sind alle sehr beruhigend und das Loslassen passiert nahezu von allein, wenn man seinen Atem kontrollieren beziehungsweise bewusst einsetzen kann. Ich könnte mir gut vorstellen das später auch zu unterrichten. 

Ich glaube Loslassen ist nichts, das nur ab und zu praktiziert werden kann. Für mich ist es mehr eine Haltung/Lebenseinstellung, die um es mal yogisch auszudrücken “on and off the mat” kultiviert werden sollte. Den Zustand des Schwebens, den du beschreibst, erlebe ich bei den Atemübungen und -reisen. Und manchmal auch beim Joggen oder in der Natur. 

Wie wirken sich die Klangbäder auf dich in deinem Alltag aus?

Atemtechniken gegen Stress

Annette Schwindt

Die Klangbäder direkt nicht, aber die Atemtechniken. Ich bin ein impulsiver Typ, das kann ich mit dem richtigen Atmen gut ausbalancieren. Und auch bei Schmerzen oder Angstsituationen hilft es, wenn man weiß, wie man Negatives wegatmen kann. Das klingt für Menschen, die das nicht kennen, bestimmt eso. 😆 Aber es funktioniert wirklich. Mir geht es dabei wie Dir: Ich werde ruhiger und ausgeglichener. 

Was ich ganz intuitiv angefangen habe, von dem sich später herausstellte, dass es einer Yoga-Technik entspricht, ist das Dehnen des Körpers. Ich hab das einfach wegen Rückenproblemen gemacht, ganz ohne Anleitung: Einfach quer übers Bett legen und langsam ausstrecken. Damit öffnet man sich wieder an all den Stellen, die vorher zusammen gekrampft waren, ob durch Stress oder Fehlhaltung. Erst vor Kurzem habe ich gesehen, dass es ganze Yogakliniken gibt, in denen das unter Anleitung praktiziert wird, um Krankheiten zu behandeln.

Ich glaube ja, dass da sehr viel Potential in diesen alten Techniken liegt. Genau wie in Osteopathie. Das beruht ja beides auf genauen Kenntnissen des Körpers, aber auch des Geistes. Und das ist kein esoterisches Geschwafel. Wer sich mit Quantenphysik beschäftigt, wird feststellen, dass letztendlich alles Geist ist. Uns im Westen geht es aber nur um physische Leistungsfähigkeit und alles andere wird belächelt. Ein großer Fehler, wie ich finde. 

Kann man denn einfach beim 3. Schritt des Yoga-Pfads anfangen? Baut da nicht das eine auf dem anderen auf?

Wissenschaftliches Herangehen

Ich finde nicht, dass das eso klingt. Ganz im Gegenteil, es deckt sich mit meinen Erfahrungen. Ich habe beispielsweise sehr gute Erfahrungen mit Osteopathie und auch Ayurveda gemacht. Und es gibt ja mittlerweile auch sehr viele Studien, die belegen, dass die klassischen Methoden, die den Menschen als Gesamtkunstwerk aus Körper, Geist und Seele betrachten und behandeln ausgesprochen hilfreich sein können. 

Hast du schon mal von Jon Kabat-Zinn und seinem Mindful Based-Stress Reduction Programm, kurz MBSR gehört? Er ist Arzt und hat es unter anderem entwickelt für chronisch kranke Menschen, die damit nicht geheilt werden können, aber lernen besser mit ihren chronischen Schmerzen oder Einschränkungen umgehen und leben zu können. Das Pro­gramm besteht aus einem acht­wö­chi­gen Kurs, der Anteile aus Hatha Yoga, Vipas­s­ana und Zen mit­ein­an­der ver­eint und einen grund­le­gen­den Ein­stieg in die Praxis der Acht­sam­keit bietet. Ich habe das Programm gemacht und sehr davon profitiert.

Das Beson­dere an Kabat-Zinns Ansatz ist seine wis­sen­schaft­li­che Her­an­ge­hens­weise. Indem er Wis­sen­schaft und Medi­ta­tion zusammenführt, macht er Men­schen in einer zugäng­li­chen und gemein­hin akzep­tier­ten Art und Weise mit dem Nutzen von Medi­ta­tion ver­traut. Kabat-Zinn sieht es dar­über hinaus als Not­wen­dig­keit, die Ver­net­zung der Men­schen unter­ein­an­der zu ver­ste­hen, basie­rend auf dem Ver­ständ­nis, dass das Selbst nicht von ande­ren getrennt ist. Für mich ist das sehr nachvollziehbar und spricht mich sehr an.

Vielleicht ist daher mein Weg zum Yoga auch so schlüssig im Einklang mit vielen anderen Erfahrungen in meinem Leben und bereichert mich gerade so. Damit komme ich auch zu deiner Frage: Das Schöne am Yoga ist für mich: “alles kann, nichts muss”. Und so ist der Pfad auch nicht als eine geradlinige Entwicklung zu sehen. Alles ist mit allem verbunden und die Zugänge können für jeden Menschen unterschiedlich sein. Es gibt viele, die Yoga als Sport sehen und betreiben. Und das ist gut. Es gibt auch Yogis, die überhaupt keine Asanas praktizieren, aber die anderen 7 Pfade in ihr Leben integrieren und danach leben. Eckhart Tolle beispielsweise. 

Was interessiert dich am Yoga? Warum möchtest du es lernen?

Gesundheitliche Aspekte

Annette Schwindt

Auch als eine Art Sport, aber der sanften Art. Aus gesundheitlichen Gründen kann ich nicht jeden Sport machen, möchte aber meinem Körper was Gutes tun. Meine Osteopathin ist auch Yogalehrerin. Sie hat mich darauf angesprochen, dass sie das gern mit mir machen würde. Dann kam aber die Pandemie dazwischen…

Ich habe in letzter Zeit mehrere Berichte über die heilende Wirkung von Yoga, Meditation, Achtsamkeit und damit verbundene Praktiken gesehen. Ich habe damit bisher nur gute Erfahrungen gemacht. Es verwundert mich immer wieder, wenn westliche Mediziner das nicht ernst nehmen. Sie sehen den Körper als Maschine, die man je nach Symptomen an der betreffenden Stelle reparieren muss. Auch wenn sich die Symptome an einer ganz anderen Stelle zeigen als deren Ursache. Notfalls wird es einfach nur betäubt.

Ich habe oft Rückenprobleme und damit verbundene Symptomatiken. Als ich zum ersten Mal zur Osteopathie kam, war das eine so große Erleichterung. Endlich nahm mal jemand das System als zusammenhängendes Ganzes unter die Lupe. Nur durch Betasten meiner Wirbel konnte sie mir genau sagen, welche Beschwerden ich hatte. Beim Arzt hieß es immer: „Hat nichts miteinander zu tun“. – Von wegen! Ich finde ganzheitliche Ansätze sehr viel schlüssiger und vertraue ihnen auch mehr. 

Und wie gesagt: Seit ich mich mit Meditation beschäftige, kann ich mir in vielen Situationen selbst helfen, wo andere gleich zur Schmerztablette greifen. Ich denke, man sollte mehr auf seinen Körper und seine Signale hören, statt ihn zu betäuben. Vermutlich ist Körperbewusstsein daher, wie Du schon sagtest, auch ein beliebter Einstieg in Yoga? Die Menschen sind mit der westlichen Medizin unzufrieden und suchen mehr Ganzheitlichkeit. Oder was denkst Du?

Mehr ins Spüren kommen

Ich habe ganz ähnliche Erfahrungen gemacht. Wenn ich sehr viel Stress habe, reagiert mein Körper orthopädisch. Meistens am rechten Arm. Ich hatte schon einen Tennisellbogen, Sehnenentzündungen, ein Impingement Syndrom, Daumensattelgelenksarthrose und Schnappdaumen an beiden Händen. Einiges davon sollte operiert werden. Das wollte ich auf keinen Fall. Und habe alles mit sanfteren Methoden wie Osteopathie, Gymnastik und Meditation behandelt und kuriert bzw. handhabbar gemacht. Dauerte zwar in jedem Fall eine Weile und bedeutete “Arbeit”, aber darüber habe ich mich und meinen Körper besser kennen gelernt und letztlich auch meine Lebensweise vor einigen Jahren nochmal verändert, indem ich mich selbständig gemacht habe. Seitdem habe ich insgesamt viel weniger Beschwerden. Alles hängt mit allem zusammen und sollte daher auch zusammen betrachtet werden. In allen Lebensbereichen. Das sehe ich wie du.

Ich beobachte, dass die Zugänge zu Yoga sehr unterschiedlich sein können. Dass aber viele Menschen dabei mehr ins Spüren kommen und sich dann häufig nach und nach den anderen Aspekten der Yoga-Philosophie zuwenden. Ich probiere beispielsweise gerade unterschiedliche Stile aus und bin überrascht, wie verschieden diese sein können und dennoch ähnlich wirken. Yin Yoga gefällt mir beispielsweise überraschend gut, obwohl ich anfangs dachte, dass ist vielleicht viel zu ruhig für mich. 

Yin Yoga dehnt auf sehr sanfte Weise die Muskeln sowie Bändern und Sehnen. Die Asanas (Positionen) werden dabei bis zu 7 Minuten gehalten. Durch das lange Halten werden auch die Faszien gedehnt. Das führt dazu, dass Gelenke geschmeidiger werden. Insgesamt wird der Körper flexibler. Diese Form des Yoga löst durch die ruhige und langsame Ausführung auch Stress. Ich habe kürzlich Yin Yoga an der Wand ausprobiert und das hat auch sehr gut getan. Mit der Wand als “Gegengewicht” konnte ich manche Positionen, die mir “normal” schwer fallen, viel leichter ausführen. Und ich war danach so entspannt, dass ich sofort ins Bett gefallen bin. 

Ich könnte mir vorstellen, dass das ein Stil ist, der dir gefallen und gut bekommen könnte. Weißt du welchen Stil deine Osteopathin/Yogalehrerin praktiziert? Ich finde ihre Kombination von Tätigkeiten übrigens sehr schlüssig. 

Mit Körperhaltung arbeiten

Annette Schwindt

Gute Frage, darauf muss ich sie mal ansprechen. Das mit dem Dehnen ist ja wie gesagt etwas, das sich mir bereits intuitiv eröffnet hat. Interessant ist ja, dass letztendlich immer das richtige Atmen der Kern der Sache ist. Damit kann man seinem Gehirn und damit dem Körper ja quasi Anweisungen geben, bestimmte Botenstoffe auszuschütten. 

Zum Beispiel wirkt es wunderbar gegen Stress oder Angst, bewusst doppelt so lang aus- wie einzuatmen. Da wird man schon beim dritten oder vierten Mal deutlich ruhiger. Durch die Konzentration aufs Zählen ist man außerdem abgelenkt von was auch immer einem den Stress verursacht. Einfach Augen zu, und bewusst ein- und ausatmen. Wenn es besonders schlimm ist, am Anfang noch beim Ausatmen laut seufzen.

Aber auch Körperhaltungen können Stimmungsänderungen hervorrufen. Zum Beispiel sich bei Angst in Siegerpose stellen: Beine etwas auseinander, Arme hochgereckt und gegebenenfalls noch jubeln. Egal, ob man Anlass dazu hat. Es entspannt. Oder eine Minute lang bis zum Anschlag lächeln. Am besten zu zweit oder vor dem Spiegel, dann ist es so grotesk, dass man auch noch wirklich lachen muss. Wer durchhält, wird mit Endorphinen belohnt.

Gibt es Übungen, die Du empfehlen kannst, und weißt Du warum sie so wirken wie sie es tun?

Ja, unser Atem ist der Schlüssel. Er ist das einzige “Organ”, das wir ganz bewusst steuern können. Erwachsene machen im Schnitt pro Minute etwa 12 – 18 Atemzüge. Mit gezielten Atemtechniken, so wie du es beispielsweise mit der längeren Ausatmung tust, können wir diese Frequenz reduzieren. Das wiederum aktiviert unser parasympathisches Nervensystem. Das ist unser Ruhe- und Reparatursystem, welches uns hilft zu entspannen und zur Ruhe zu kommen. Der Gegenpol ist unser Sympathikus, das Kampf oder Fluchtsystem. Und dieses ist bei vielen Menschen sehr dominant. Unser häufig sehr hektischer Alltag suggeriert dem Nervensystem ständige Gefahr und daher sind viele von uns nonstop in einer Habachtstellung. Das treibt den Puls hoch, die Atmung geht schnell und flach, Cortisol wird ausgeschüttet und das Blut geht aus dem Verdauungstrakt in die Muskulatur. Wir sind also permanent angespannt. Wenn man seinen Atem bewusst regulieren kann, kann das sehr viel Spannung nehmen und andere Funktionen im Körper “normalisieren”.

Eine Übung, die ich neben der von dir erwähnten sehr mag, ist Nadi Shodhana. Das ist eine sehr häufig praktizierte Atemübung im Yoga. Diese Nasenatmung ist eine Wechselatmung, bei der man abwechselnd durch das rechte und das linke Nasenloch ein- und ausatmet. Das synchronisiert beide Gehirnhälften und verhilft zu neuer Kraft. 

Hier einige Videos zur Atmung und zu Yin Yoga von der Yoga-Trainerin Mady Morrison, die ich sehr gerne mag:

Außerdem habe ich kürzlich das Buch Science of Breath: A Practical Guide to Breath and Prana gelesen und fand es sehr interessant. 

Annette Schwindt

Super, Danke für die weiterführenden Tipps und Danke Dir, dass Du Dir die Zeit für dieses Gespräch genommen hast. 🙂 Vielleicht haben wir damit ja noch bei ein paar weiteren Menschen das Interesse für Yoga oder Meditation geweckt? 

[NACHTRAG: Beim Onlinestellen dieses Gesprächs habe ich festgestellt, dass es bei Insight Timer jetzt auch kostenlose Live-Yogakurse gibt!]

Danke dir für dieses schöne Gespräch. Hat viel Freude bereitet. Und wenn es andere inspiriert, umso schöner. 

Über meine Gesprächspartnerin

Ute Lange

Ute Lange ist Journalistin und arbeitet als Moderatorin und Trainerin, hauptsächlich im entwicklungspolitischen Kontext. Sie ist vielfältig interessiert und engagiert, unter anderem bei der Socialbar Bonn und dem Literaturcamp Bonn.

Foto von Ute: Bernadett Yehdou
Avatar von Annette: tutticonfetti

In meiner Rubrik „Bloggespräche“ unterhalte ich mich mit einem Gegenüber über ein frei gewähltes Thema wie in einem Mini-Briefwechsel. Wer ebenfalls mal so ein Gespräch mit mir führen möchte, findet alle nötigen Infos dazu unter https://www.annetteschwindt.de/bloggespraeche/ und kann sich von dort direkt bei mir melden.


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