Die Bundestagswahl 2021: und jetzt? – Ein Bloggespräch mit Klaus Venus

Einer der ersten, die sich auf meinen neuesten Aufruf nach Gesprächspartnern für diese Rubrik hier gemeldet haben, war Klaus. So wie viele haben wir beide auf Facebook schon während des Wahlkampfes unsere politische Meinung geäußert und uns darüber unterhalten. Nun sind die Wahlen vorbei und das Ergebnis lässt einen doch eher ratlos zurück. Zeit für ein Bloggespräch!

Annette Schwindt

Du hast Gesprächsbedarf zum Ausgang der Bundestagswahlen angemeldet, lieber Klaus, weil Dich – wenn ich das richtig verstanden habe – das Thema „Große Politik“ mehr und mehr verärgert. Was meinst Du damit und warum ist das so?

Posten wichtiger als die Probleme des Landes?

Klaus Venus

Nun, liebe Annette, wenn man rein nach den Zahlen geht, dann gibt es bei dieser letzten Bundestagswahl einen größeren Sieger, nämlich die SPD, und mit FDP und den Grünen zwei kleinere, sowie einen großen Verlierer, welcher die CDU ist. Deren Spitzenkandidat meint aber aus der rechnerischen Möglichkeit einer Mehrheit für eine schwarz-grün-gelbe Koalition einen Anspruch auf Bildung einer Regierung zu haben, statt seine Niederlage einzugestehen. 

Dieser Wille zur Macht kotzt mich bei der Politik richtiggehend an! Deutschland geht es im Vergleich zur Welt noch gut, aber auch wir haben hier massive wichtige, schwere, große Probleme und statt dass unsere Politik diese angeht, schaut sie nach Machtoptionen. Grmpf.

Die Ursache hierfür liegt wohl darin begründet, dass das originäre Ziel eines Politikers seine Wiederwahl nach 4 – 5 Jahren ist, je nach Länge der Legislaturperiode, und er somit gar nicht in der Lage ist umgreifende Reformen anzugehen, wie der Club of Rome bereits Anfang der 1970er Jahre feststellte.

(Wenn ich hier ausführlicher erläutere, was mich wie ankotzt, dann ist das Gespräch gleich zu Ende 😉 )

In meinen Augen MUSS die CDU nun ihre Niederlage eingestehen, vor allem ihr Frontmann, abwarten wie die Koalitionsverhandlungen zwischen SPD, den Grünen und der FDP verlaufen und dann halt in die Oppositionsrolle einfinden und dort konstruktive Politik für sich, ihre Politiker und vor allem für dieses unsere Land machen!

Wie siehst du das und wie schätzt du diese Wahl ein?

Keiner redet wirklich Tacheles

Annette Schwindt

Ich bin ehrlich gesagt sehr erschrocken, als ich die Ergebnisse gesehen habe. Uns allen sollte doch inzwischen bekannt sein, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann. Also sollte sich das doch auch bei dieser sogenannten Jahrhundertwahl niederschlagen. Aber nein, es wird das „Weiter so“ bestätigt, das uns ja erst in diese katastrophale Situation gebracht hat… 

Es ist erschreckend, wie hartnäckig die Menschen sich vormachen, dass nur alles gut wird, wenn man weiter weg sieht. Oder dass man nur in die richtige Technologie investieren muss, um die „Herausforderungen der Zukunft“ bewältigen zu können. Leute, diese Euphemismen werden uns nicht retten. Die retten nur einigen Herren, wie Du schon sagst, die Posten. Die beharren darauf, dass wir ganz, ganz unbedingt Wirtschaftswachstum und althergebrachte Erwerbsarbeit brauchen. Wer das nicht unterstützt, der will natürlich den Sozialismus und die DDR zurück. 

Dass unser sogenanntes „Wachstum“ nur ein Rechenkunstgriff ist, der die dabei entstehenden Schäden einfach externalisiert und somit schön aus der Rechnung raushält, dürfte vielen gar nicht in dem Maße bewusst sein. Und was ist mit unserer eigenen Lebensqualität? Basiert die wirklich auf Egoismus und Leistung, oder gibt es vielleicht noch was anderes, Nachhaltigeres?

Am meisten enttäuscht war ich davon, dass nicht mal Die Grünen sich getraut haben, wirklich Tacheles zu reden. Aber dann hätten sie vermutlich noch weniger Stimmen bekommen. Es ist zum Heulen… 

Jetzt müssen wir sehen, was wir aus der Misere noch Positives rausholen können. Ampel ist vermutlich noch das kleinste Übel? Alles, nur nicht den CDU-Mann als Kanzler, oder?

Scholz nur, weil er nicht Laschet ist?

Klaus Venus

Der einzige Punkt, der in meinen Augen den Ausdruck “Jahrhundertwahl” rechtfertigt, ist der Punkt, dass ein Amtsinhaber nicht mehr zur Wahl antrat und somit ein Regierungswechsel, so dieser denn, hoffentlich, kommt nicht durch Abwahl des bisherigen Amtsinhabers zustande kam. In Bezug auf die Klimaprobleme möchte ich diesen Ausdruck vermeiden, denn wir haben das Klimaproblem mit Erderwärmung, Verschmutzung und Resourcenverbrauch schon seit Jahrzehnten bzw. eigentlich schon seit Beginn der Industrialisierung!

In Bezug auf Wachstum gebe ich dir absolut Recht, wobei man diskutieren könnte, ob dieses durch Rechenkunstgriffe zustande kommt oder durch falsche Voraussetzungen. Schließlich fließen in die Berechnung des BSP (Bruttosozialprodukt), man spricht mittlerweile ja eher vom BIP, Bruttoinlandsprodukt, auch reine Ersatzbeschaffungen bzw. reine Reparaturen von etwas hinein, bei denen keine neuen Werte geschaffen werden. Und, wie du sagst, die entstehenden Umweltschäden werden nicht aufgeführt. Hierzu nenne ich gerne ein Beispiel.

Betriebswirtschaftlich gesehen ist es für eine Firma richtig und kostensparend, wenn sie ihre Lagerhaltung auf die Straße auslagert, Stichwort “lean production”, und die Produkte “just in time” ans Band geliefert werden. Volkswirtschaftlich gesehen hingegen ist es ein absolutes Unding, denn dann zahlt die Allgemeinheit die Lagerhaltung durch kaputte Straßen, höheren CO2-Ausstoß und so weiter. Dies gilt auch für den einzelnen Haushalt, der gerne beim großen Versender bestellt, der teilweise dreimal am Tag mit einem Auto kommt und liefert…

Ein klein wenig schweifte ich gerade ab, allerdings gehört dies wohl aber auch zum Thema dazu.

Ja, die Grünen haben mich auch ein wenig enttäuscht, da sie doch ziemlich weichgespült daher kamen. Könnte/dürfte wohl dem erhofften Stimmenzugewinn geschuldet gewesen sein, dass sie Kreide gegessen haben…

Ich hoffe sehr, dass uns dieser CDU-Mann als Kanzler erspart bleibt, den ich persönlich nicht kenne und beurteilen kann, als Politiker macht er in meinen Augen aber seinem Namen alle Ehre, denn er ist ein LASCHETer Politiker. Weder hat er gescheite Konzepte zur Lösung unserer Probleme, noch ist er überzeugend in Person und Autorität, noch hat er Ausstrahlung. Ich fühle mich von ihm in keinster Weise repräsentiert.

Stellt sich nur die Frage, was stattdessen kommt. Ich hätte mir Frau Baerbock als Kanzlerin durchaus vorstellen können, da in meinen Augen eine Mutter von zwei Kindern, die Vollzeit arbeitet und dennoch ihre Kinder großzieht, genug Management-Fähigkeiten hat einen Staat zu führen – in meinen Augen im Jahr 2021 ein Unding, dass man so etwas erwähnen muss bzw. so etwas immer noch in weiten Kreisen der Bevölkerung ein Thema ist. Ihre vermeintlich fehlende politische Erfahrung wäre in meinen Augen sogar ein Vorteil gewesen, da sie einen anderen Blick auf Politik mitbringt.

Nun bekommen wir wohl einen Kanzler Scholz mit einer im Augenblick geeinten Partei SPD, die in den letzten Jahren aber viele Personen und Persönlichkeiten geradezu verheizt hat. Ich hoffe nur, dass dies tatsächlich gut geht mit der wahrscheinlichen rot-grün-gelben Koalition unsere Probleme angegangen werden! Wie heißt es so schön? Die Hoffnung stirbt zuletzt…

Du scheinst ja mit mir einer Meinung zu sein und Laschet nicht als geeignet zu empfinden und die Ampel als kleineres Übel. Warum siehst du das so und was sind deiner Meinung nach die Probleme, die Deutschland hat, die die Welt hat?

Angst vor der großen Transformation

Annette Schwindt

Wenn man es bis zum Ende durchdenkt, dann ist der Mensch das Problem, das die Welt hat. Wenn man voraussetzt, dass wir als Spezies weiterbestehen wollen und es dabei einigermaßen gerecht zugehen soll, dann müssen wir zum einen sehr schnell eine Antwort auf die Klimakrise finden – und deswegen war es eine Jahrhundertwahl. Nicht weil die Klimakrise nicht schon viel zu lange bekannt ist, sondern weil wir nicht mehr viel Zeit haben, überhaupt noch ein bisschen abfedern zu können, was da über uns hereinbrechen wird. Entweder es wird jetzt was getan, oder das war‘s. Zum anderen müssen wir  etwas gegen die damit einhergehende soziale Ungleichheit tun, die sich immer weiter verstärkt, wenn das so weitergeht. 

Ideen, was man dagegen tun könnte, gibt es längst. Die gefallen nur vielen nicht, also spielen sie weiter Normalität und rechnen sich alles schön. So wird beispielsweise die Flutkatastrophe aus diesem Sommer zu einem Wirtschaftswachstum (sic!) beitragen. Wie verquer ist DAS denn? Überhaupt ist ja Wirtschaft viiiel wichtiger als die Menschen…

Tatsächlich sind all die Probleme, die wir jetzt haben, menschengemacht. Es will nur keiner gewesen sein. Und mit der großen Transformation anfangen will auch keiner, denn dann könnte man ja seinen Posten verlieren oder die anderen nachher mehr haben als man selber. Woher kommt diese Angst zu teilen und zusammenzuarbeiten statt gegeneinander?

Mit gutem Beispiel vorangehen

Klaus Venus

Ein Freund von mir arbeitet in der Nachhaltigkeitsbranche und berät Firmen in diesem Sektor. In einem Gespräch mit ihm meinte ich, die Menschheit solle doch einfach so weitermachen wie bisher, dann wäre sie in ca. 500 Jahren ausgestorben, die Erde hätte sich dann in ca. 1000 Jahren erholt und wäre dann ein friedlicher Ort. Sein Gesicht, unbeschreiblich. Er merkte aber natürlich sehr schnell, dass dies nur ein zynischer Vorschlag von mir ohne Ernsthaftigkeit war.

Ja, der Mensch ist das Problem, aber er kann dieses Problem auch lösen. Wenn er es denn lösen will! Da er es eben, zumindest die allermeisten Menschen in Deutschland, scheinbar nicht lösen will, war es in meinen Augen doch keine Jahrhundertwahl. Dies sind aber kleine semantische Auseinandersetzungen zwischen uns, denn unterm Strich meinen und wollen wir beide absolut das gleiche.

Dein Beispiel bzgl. Wirtschaftswachstum Flutkatastrophe im Ahrtal korrespondiert absolut mit meinen Beispielen und dies ist einfach nur ein perverser Auswuchs des Systems.

Gehe mit deiner Einschätzung bzgl. Normalität und Angst absolut konform und habe keine Idee woher dieser Egoismus kommen könnte. Ich weiß auch nicht, wie man diese Angst, diesen Egoismus, diese Agonie durchbrechen könnte. Ich denke, hier wäre ein charismatischer Politiker, Anführer im positiven Sinne gefragt, den ich aber auf weiter Flur nicht sehe. 

Der letzte, der in meinen Augen tatsächlich für ein Ziel eintrat und dieses dann auch mit voller Überzeugung vertrat und um- und durchsetzte, das war Schröder damals mit seiner Agenda 2010. Dass dieser Mensch andere Probleme hatte und hat, und Fehler (ich erwähne mit seiner Einschätzung Putin sei ein lupenreiner Demokrat” nur einen davon), ist wieder ein anderes Thema.

Aber mit dieser fehlenden charismatischen Person, die diese Agonie durchbrechen kann und wird, den auf Deutschland liegenden Mehltau beseitigt und die vielen Probleme angeht und die Menschen mitreißt, damit sind wir zumindest zum Teil wieder am Anfang unseres Gesprächs. Darum nervt mich die große Politik!

Andererseits, die Politiker kommen aus der Gesellschaft, die sie repräsentieren. Was für ein Licht wirft also das Fehlen solcher wirklich anführender mitreißender Politiker auf unsere Gesellschaft? Kein gutes…

Daraus ergibt sich für mich eine ganz bestimmte Konsequenz. Wir alle sind gefordert, wir alle müssen mit gutem Beispiel vorangehen, wir müssen im Kleinen vorleben, was wir wollen, was wir für sinnvoll halten, wir müssen Teilhabe und Inklusion, soziale Gerechtigkeit, den Schutz der Umwelt, den Verzicht aufs Auto, wo es nur geht, die Nutzung des ÖPNV und die Forderung nach Verbesserung von diesem vorleben und äußern und damit von unten Druck auf die “Großen”, auf die Politiker ausüben, damit sie endlich aufwachen und, wenn sie schon nicht führen, dann zumindest mangels Alternative, mitlaufen!

Wie siehst du das?

Gemeinschaft leben ist nicht gleich Sozialismus

Annette Schwindt

Ja, das ist ja das Fazit, auf das wir hier in den Gesprächen immer wieder kommen: Versuchen es vorzuleben und hoffen, dass es andere inspiriert. Meiner Erfahrung nach erreicht das aber nur diejenigen, die ohnehin schon dafür offen sind. Und wie erklärt man jemandem, der sich selbst als zu kurz gekommen ansieht, dass er noch zu den Reichen auf der Welt gehört und teilen soll. Jemand, der die Welt nur durch die Brille sieht, dass ihm was weggenommen oder vorenthalten wird? 

Es geht doch auch anders: Ich denke da immer an meine Oma, die wirklich alles verloren hatte und durch die Hölle gegangen war, als sie hier ankam. Später hatte sie nur eine kleine Rente und lebte bescheiden. Aber ihre Tür war immer offen für alle, man half sich gegenseitig, mit dem, was jeder einzelne hatte oder besonders gut konnte und jeder fand Wertschätzung. 

So hatte z.B. einer einen großen Garten, aus dem er die ganze Nachbarschaft mitversorgte. Dafür backte ihm meine Oma seinen Lieblingskuchen oder kochte ihm Gerichte aus seiner Kindheit. Eine andere Nachbarin war gelernte Schneiderin und reparierte und änderte für alle die Kleider. Ihr Sohn konnte toll Fahrräder reparieren, ein anderer Nachbar züchtete Kaninchen, und wieder eine andere konnte toll singen und gab Klavierunterricht. Ich hab zum Beispiel auf die Kinder in der Nachbarschaft aufgepasst oder Nachhilfe gegeben oder hab Hunde ausgeführt. Jeder gab das, was er konnte – und das hatte nichts mit Sozialismus oder DDR zu tun, sondern einfach mit Gemeinschaft. 

So wie wir das jetzt ja auch miteinander machen, Du und ich: Ich helfe Dir mit der Website, Du mir mit Bildbearbeitung oder indem Du mir Sachen aus meiner Heimatregion schickst, an die ich hier so nicht mal eben schnell kommen würde. Wir tauschen uns auch außerhalb davon einfach so aus und sind freundschaftlich verbunden, so dass Du mich z.B. auch neulich aus dem Urlaub wegen eines Sprachproblems hinzuziehen konntest. Dank Internet kann man sich so auch ortsunabhängig unterstützen.

Das praktiziere ich auch sonst mit anderen. Aber viele finden das merkwürdig und wollen lieber alles in Geld aufrechnen. Für sie ist unsere Lebenseinstellung idealistisch und weltfremd. Wie soll man so jemanden überzeugen, der nur auf noch mehr äußeren Reichtum aus ist?

Einfach nur Menschlichkeit

Klaus Venus

Wäre ja schon beinahe ein Schlusswort das mit dem Vorleben und die Gemeinschaft leben. Ich denke, man muss es einfach leben und hoffen und dran glauben, dass man durch dieses Vorleben andere Menschen mitnehmen kann und mitnimmt auf diese Reise, auf diesem Weg die Welt nur ein klein wenig zu ändern. Die große Politik tut es ja nun mal nicht oder zumindest zu selten. Also überzeugen durch das Vorleben. Anders wird es wohl leider nicht funktionieren. Mein berühmtes Vierkantholz als Argumentationsverstärkung wäre auf Dauer wohl kontraproduktiv bzw. brächte mich in den Knast. 😉

So wie deine Oma lebte, was sie vorgelebt hat, das hat nun wirklich nichts mit Sozialismus zu tun, sondern das ist einfach nur Menschlichkeit! So wie wir diese zumindest zum Teil leben, miteinander, mit unseren Lieben, mit lieben Menschen. Und drauf geschissen, dass andere Menschen dies komisch finden und/oder weltfremd. Soll man sie überzeugen? Muss man sie überzeugen? Ich denke, man kann es ihnen zeigen, man sollte es ihnen vielleicht zeigen, langfristig kommen sie schon auf den Trichter und machen mit; zumindest zum Teil. Anders wird es wohl nicht funktionieren… Oder hast du eine bessere Idee?

Lokales und globales Miteinander

Annette Schwindt

Nein, lieber Evolution statt Revolution, solange das ein Miteinander und nicht ein Gegeneinander bedeutet. 

Thomas und ich versuchen es meiner Oma und auch wie in seiner Familie praktiziert nachzuleben. Dadurch haben wir schon tolle Erfahrungen gemacht. Zuletzt mit der Hausgemeinschaft, die wir zuerst digital und damit dann auch analog näher zusammengebracht haben. Oder mit einer Frau, der ich zuerst auch nur mit der Website helfen sollte und mit der ich inzwischen einiges andere Persönliche miterlebt habe. Wir helfen uns gegenseitig, obwohl sie am anderen Ende des Landes wohnt und wir uns noch nie analog getroffen haben. Das Netz macht‘s möglich. 

Wie ich immer sage: Digitale Kommunikation ist das, was WIR daraus machen. Das gilt im Übrigen für das gesamte Leben. Jetzt brauchen wir nur noch eine Politik, die das auch versteht und umsetzen kann… 

Eine charismatische Führungsperson wünschen sich sicher viele, nur nicht unbedingt in der Weise, die Du meinst. Da müssen wir gut aufpassen, dass es uns nicht nochmal ergeht wie früher oder wie kürzlich den US-Amerikanern mit ihrem Donald. Dieses Risiko sehe ich beim Ergebnis dieser Wahlen zumindest nicht. 😉 Aber wer weiß, was danach kommt, wenn die Zeiten noch rauer werden?

Jetzt kriegen wir nach Mutti Merkel erstmal Vati Scholz. Besser als Onkel Laschet ist das sicher, aber ein verstauchter Fuß hindert trotzdem am Weiterkommen, auch wenn er besser ist als ein gebrochener… 

Was denkst Du, was jetzt kommt? Ampel mit Habeck als Vizekanzler? Ist ja auch ein Hammer, dass so viele Erstwähler die FDP gewählt haben! Da hatte ich doch eine deutlichere Mehrheit an Grünenwählern erwartet. Sind das alles BWL-Studenten? 😉

Technologie allein hilft nicht

Klaus Venus

Klar Evolution und keine Revolution. Damit haben wir schlechte Erfahrungen gemacht, wobei man ja sagt, dass die Deutschen vor einer Revolution erst mal eine Bahnsteigkarte ziehen, grins. Nein, Evolution in etwas beschleunigtem Tempo wäre schon schön und angebracht.

Das Netz ist tendenziell, das was wir draus machen, wobei wir zu oft zu wenig bzw. etwas Schlechtes draus machen. Leider. Auch hier gilt, dass “wir” anders denkende bzw. anders handelnde leider zu wenige sind. 

Das mit der Frau von der anderen Seite des Landes wäre schön zu erfahren, bei Gelegenheit.

Habe den Eindruck, du verstehst mich da etwas falsch und oder verstehst unter Charisma etwas anderes als ich. Streiche aber von mir aus das Wort Charisma und ersetze es durch Ausstrahlung, klingt dann etwas anders, oder setze das Wort “positiv” voran. So jemanden wie das Trumpeltier, braucht niemand (mehr), auch die Amis nicht! Aber wir brauchen jemanden, der die Probleme der Zeit angeht und eben diese Ausstrahlung, die die Leute mitreißt auf dem Weg eben diese Probleme zu ändern und die Welt zu verbessern!

Interessantes Bild mit dem verstaucht und gebrochen. Denke, dass wir mit Laschet nicht nur einen gebrochenen Fuß, sondern sogar ein gebrochenes Bein gehabt hätten. Ob wir mit Scholz “nur” einen verstauchten Fuß haben oder vielleicht hoffentlich weniger, das werden wir sehen. Hier stirbt die Hoffnung mal wieder zuletzt. Der Zyniker in mir sagt, dass sich eher nichts ändern wird, der Optimist sagt, dass sich nun einiges zum Positiven ändern wird. Wobei ein Mindestlohn von 12,- Euro ein Tropfen auf den heißen Stein wäre, die wirklich wichtigen Probleme aber nicht löst.

Ich denke, dass wir eine Ampel bekommen werden mit Habeck als Vizekanzler und Baerbock in einer anderen größeren Rolle, oder von mir aus umgekehrt oder wie auch immer, und den Posterboy ebenfalls in einer größeren Rolle als Finanz- oder Außenminister, wobei ich denke, dass er dann die erste Stufe seiner Inkompetenz erreichen wird. Das werden wir aber sehen. Und wer letztendlich in welcher Rolle nun regieren wird, ist mir relativ egal, Hauptsache es tut sich etwas und verändert sich zum Positiven!

Warum nun relativ viel junge Leute die FDP gewählt haben, darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich habe etwas gelesen, dass dies viele Leute getan haben, weil die Grünen ihrer Meinung nach viel mit Verboten arbeiten würden, was junge Leute abstoßen würde. Aber nun ja, wenn wir weiterhin auf die Einsicht der Menschen warten, dann warten wir in 50 Jahren noch! Und die von der FDP propagierte technologische Entwicklung wird die Probleme, vor allem das Klimaproblem, alleine nicht lösen!

Nebenbei, nicht immer über die BWLer lästern, ich habe das schließlich auch mal studiert, hihi. Aber nein, es sind nicht alles BWLer, sondern siehe oben, es sind durchaus einige dabei, denen die Verbote zu weit gehen.

Also, hoffen wir, dass sich nun einiges, womöglich alles, zum Besseren wendet und wir unsere Wünsche und die der Welt erfüllt bekommen? Oder befürchten/erwarten wir weiterhin nichts Gutes und versuchen durch unseren Mikrokosmos die Leute um uns herum zu überzeugen von uns und unserer Lebensweise und dass sie dringend mithelfen die Probleme der Welt zu lösen?

Wie wird es weitergehen?

Annette Schwindt

Das mit den BWLern war als Witz gemeint, aber immerhin weiß ich damit jetzt auch, was Du studiert hast. 😉 

Interessant, was Du in Sachen Wahlgründe für die FDP sagst. Dann wäre die FDP für diese Wähler Grüne minus Verbote? Haben dann andere die SPD sozusagen als CDU minus Laschet gewählt? 😉 Sollte man eine Partei nicht eher wegen ihres eigenen Programms wählen und nicht, weil sie nicht das einer anderen haben? Aber ich rutsche hier vor lauter Verzweiflung schon in die Satire… Schlimm genug, dass man sich inzwischen von manchem Kabarettisten besser informiert fühlt als von vielen Journalisten…

Ich denke jedenfalls, wir sollten immer so leben, dass es für uns und andere das Leben verbessert. Unabhängig davon, was sonstwer tut oder denkt, egal ob Mitbürger oder Politiker.  Aber das entbindet die Politik ja nicht ihrer Aufgabe, die Bürger angemessen zu vertreten. Ich wünsche mir daher natürlich auch, dass sich etwas zum Positiven verändert. Wir dürfen gespannt sein, wie die verschiedenen Pole zu einer Einigung kommen wollen: Die, die nach rein technischen Lösungen suchen, und die, die auch auf eine Veränderung unser aller Lebensweise setzen. Erstere setzen ja weiter auf Wachstum und Leistung. Letztere bauen eher auf Gemeinschaft und Nachhaltigkeit. Ob man das überhaupt zusammen kriegen kann? Diesen Ausblick würde ich Dir gern als Schlusswort überlassen. Danke Dir, dass Du Dir die Zeit für diesen Austausch genommen hast! 

Wir müssen unsere Lebensweise ändern!

Klaus Venus

War gerne bei deiner Aufklärung behilflich. Hihi. Wobei ich eher an der Uni des Lebens studiert habe und immer noch studiere…

Nun, ich gebe zu, mir darüber keine größeren Gedanken gemacht zu haben, sondern ich habe das mit derFDP in einem Artikel gelesen, der sich ausgiebig mit der Wahl beschäftigte und diese analysierte. Wobei für mich diese Analyse plausibel klang und klingt.

Nun, die CDU hat sich unter Merkel ziemlich sozialdemokratisiert und diese beiden großen Parteien sind sich mittlerweile ziemlich ähnlich geworden. Wobei ich schon denke, dass viele Menschen eben Laschet nicht gewählt haben, sie also nicht unbedingt Scholz wollten, aber auf jeden Fall Laschet eben nicht wollten.

Und die Parteiprogramme, meine Güte. Bei allem Respekt, wer hat jemals bisher eins ernsthaft gelesen, wenn er dies nicht unbedingt tun musste? Ist es nicht so, dass wir uns eher an den Überschriften orientieren und diese als Entscheidungsgrundlage nehmen nebst unseren persönlichen Eindrücken von den Spitzenleuten der Parteien?

Dein Abrutschen in die Satire kann ich aber absolut verstehen, wobei ich statt in die Satire eher in den Zynismus rutsche…

Deine Gedanken bzgl. unserer Lebensweise teile ich absolut, wobei wir hierzu noch einen Abstecher zu Kant und Kennedy machen könnten, den wir hier bei diesem Thema aber eher lassen sollten. Wir sind uns hier eh einig.

Sagen wir mal so, technologische Veränderung und Verbesserung sowie Veränderung unserer Lebensweise können Hand in Hand einhergehen bzw. wir brauchen zwingend technologische Entwicklung, wenn wir Klima und Erde retten wollen, ich bringe hier nur mal die Stichworte Speichertechnologie und oder Energieeffizienz. Nur technologische Entwicklung alleine reicht nicht, sondern wir müssen zwingend unser Leben ändern! 

Ob diese beiden Parteien, eigentlich sind es ja drei, sich hier einigen können, das bezweifle ich derzeit, ich hoffe aber, dass es tatsächlich gelingt, denn sonst wird es äußerst kritisch. Wenn ich die von dir genannten Begriffe nehme, dann schließen sich Wachstum/Leistung und Gemeinschaft/Nachhaltigkeit nicht gegenseitig aus, wenn man diese Begriffe bzw. ihre Definitionen vom gleichen Standpunkt aus bzw. mit der gleichen Sicht denkt und versteht. Ich fürchte allerdings, hier können wir nur auf die Einsicht der handelnden Politiker hoffen und einfach “nur” weiterhin unser Leben positiv leben und vorleben und hoffen, dass wir viele Menschen auf diesem Weg überzeugen und mitnehmen können…

Ich danke für den Austausch!

Über meinen Gesprächspartner

Klaus Venus

Klaus Venus ist als professioneller Fotograf täglich in der gesamten Rhein-Neckar-Region und in der Pfalz unterwegs und hat auch sonst immer eine Kamera dabei. Dadurch und schon bei seiner früheren Tätigkeit als Gastronom lernt er immer wieder neue Menschen kennen und bekommt Einblicke in deren Lebens- und Arbeitssituation. – klaus-venus.de

Im vergangenen Jahr haben wir bereits ein Bloggespräch über Leben und Arbeiten zu Pandemiezeiten geführt.

Titelfoto: Klaus Venus
Illustration von Annette: tutticonfetti

In meiner Rubrik „Bloggespräche“ unterhalte ich mich mit einem Gegenüber über ein frei gewähltes Thema wie in einem Mini-Briefwechsel. Wer ebenfalls mal so ein Gespräch mit mir führen möchte, findet alle nötigen Infos dazu unter https://www.annetteschwindt.de/bloggespraeche/ und kann sich von dort direkt bei mir melden.


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