Illustration einer mit Geschirrtuch abgedeckten Schüssel, aus der starker Geruch strömt. Im Hintergrund eine Küche.

Hausgemachter Käse (63. Blognacht)

Als Anna den Impuls für die letzte Blognacht in diesem Jahr ankündigte, dachte ich zuerst an Käse im metaphorischen Sinne. Also an Unsinn, den man so verzapft. Aber während ich überlegte, welchen Unsinn ich da beschreiben könnte, schickte mir mein Geruchsgedächtnis eine Kindheitserinnerung: Omas „fauler Käs“!

Der war in der Tat hausgemacht, aber leider hab ich nie das Rezept aufgeschrieben, solange meine Oma noch gelebt hat. Vermutlich weil es nicht zu meinen Lieblingsessen gehörte, so stinkig wie es war. Für Erwachsene war das super mit frischem Brot und einem Glas Wein. Aber für Kinder war es echt zu krass. Trotzdem würde ich es heute gern nochmal essen. Einfach aus Nostalgie.

Soweit ich mich erinnere, wurde zuerst Quark oder Frischkäse in ein Tuch gedreht und abtropfen lassen. Das dabei entstehende Gebrösel wurde mit Paprikapulver, Salz und vermutlich noch anderen Gewürzen verrührt und über Nacht – im Kühlschrank? – stehen gelassen. Welche Zutaten da genau dran kamen, weiß ich nicht mehr. Also ab ins Netz…

Auf einer Uralt-Website mit donauschwäbischen Rezepten werde ich fündig:

500g Schichtkäse über Nacht abtropfen lassen, dann salzen, einen halben Teelöffel Paprikapulver, eine Messerspitze Natron zugeben, gut vermischen und über Nacht, gut zugedeckt an einen warmen Ort stellen. So ein paar Tage stehen lassen bis er reif ist (er fängt zu laufen an). Dann Butter darunter arbeiten, mit Brot [essen] (…).
„Schmeckt wunderbar“ (stinkich).

Schichtkäse, so sagt Wikipedia, ist Frischkäse aus Kuhmilch, der dem Quark ähnelt. Hm… da müssen wir mal suchen. Denn eins weiß ich jetzt schon: Wenn mein Mann Thomas den Artikel hier liest, will er das garantiert ausprobieren!

Und jetzt, wo ich das mit dem „an einem warmen Ort mehrere Tage stehen lassen“ lese, erinnere ich mich auch wieder, dass die ganze Wohnung danach gerochen hat. Na, das kann ja lustig werden…

Titelbild: OpenAI

Die Blognacht ist eine regelmäßige Veranstaltung von Anna Koschinski, in der der sich Blogger treffen, um spontan etwas zu einem Impuls zu schreiben. Mehr dazu unter blognacht.de

Fediverse reactions

Kommentare

6 Antworten zu „Hausgemachter Käse (63. Blognacht)“

  1. Liebe Annette,

    hihi, welch schöner Text zu hausgemachtem Käse. Das war auch mein erster Impuls, ob ich endlich mal wieder ein Kochrezept schreibe. Doch leider hatte ich so gar keine kluge Käse-Idee. Daher stöbere ich jetzt erstmal bei den anderen aus der Schreibnacht Nummer 63.

    Herzensgrüße,
    Angelika

  2. Da wünsche ich dir viel Erfolg bei der Suche nach dem Schichtkäse. Vielleicht findest du ihn in Käseläden, wenn du einen in der Nähe hast. Aus dem Supermarkt ist das ja leider schon verschwunden.

  3. Danke für diesen vielschichtigen Impuls. „Hausgemachter Käse“ ist so ein Bild, das sich erst harmlos gibt und dann erstaunlich viel Tiefe entfaltet. Ich hatte selbst Spaß beim Schreiben. Beim Lesen wurde mir wieder bewusst, wie sehr Gewachsenes Zeit, Bedingungen und Geduld braucht und dass genau darin auch eine große Würde liegt. Ein schöner Rahmen für sehr unterschiedliche Texte und Zugänge, die Blognacht!

    1. Und man findet jedesmal neue interessante Leute (meistens Frauen)! So wie dich heute. 🫶🏻

  4. Liebe Annette,

    interessant, dass einige von euch echt an Käse gedacht haben – aber das war ja auch der Ursprung des Impulses. Verrückt eigentlich, aber der Ausdruck hat uns in der Situation so zum Schmunzeln gebracht und Maria meinte sofort: „Das ist doch ein Schreibimpuls!“ Ja, definitiv, ist einer. Und ich freu mich, dass du diese Geruchs-Welle für uns aufgeschrieben hast 🙂

    Liebe Grüße und bis zum nächsten Blognacht-Jahr
    Anna

  5. […] Annette Schwindt nimmt den Käse-Gedanken wortwörtlich und heraus kommt, was kommen muss: Hausgemachter Käse (63. Blognacht) […]

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