Als ein langjähriger Freund gestern den vorigen Teil in dieser Beitragsserie gelesen hatte, erinnerte er mich an etwas, das schon viele Jahre zurückliegt.
Damals hatte mein Vater einen Praktikanten aus der französischen Partnerstadt des Ortes, in dem er arbeitete. Der junge Mann wohnte bei einem Kollegen, der im selben Dorf lebte wie wir. Deshalb verbrachten wir öfter mal Zeit miteinander und bildeten so eine Art Sprachtandem auf Zeit.
Nachdem der junge Franzose auf einem Straßenfest den alten Gassenhauer „Anita“ von Costa Cordalis gehört hatte, nannte er mich nur noch so, um mich zu ärgern.
Ich hatte das schon fast vergessen, aber mein Freund half meiner Erinnerung wieder auf die Sprünge und meinte, dass die beiden Verwoerterungen des Franzosen doch sicher hier gut aufgehoben wären:
Zum einen neigte der junge Mann wohl dazu, fehlende Vokabeln einfach wörtlich aus dem Französischen zu übersetzen. So entstand der neue Name für die Reinigungskraft am Arbeitsplatz: „Frau von Putz“ (femme de ménage).
Ein anderes Mal ging es um kühlende Getränke an einem heißen Sommertag. Auf die Frage, wie er denn seine Limonade gern hätte, antwortete er: „In einem Glas, aber bitte ohne Eisberge“ (im Französischen kann „glaçon“ alles vom Eiswürfel, über Eiszapfen und Eisscholle bis zum Eisberg bezeichnen).
Über diese Beitragsreihe
Als Sprach-Nerd bleibe ich ständig an Wörtern hängen, die mich dann den ganzen Tag begleiten. Warum sie also nicht in einer eigenen Reihe festhalten? Das können Verhörer/Verleser sein oder eigentümliche Aussprachen in Dialekten oder Fremdsprachen oder lustige Versprecher oder Vertippereien.
Wichtig: In keinem Fall möchte ich mich darüber lustig machen, sondern bestaune einfach die Formen, die Sprache annehmen kann. Und die Missverständnisse oder Erklärungsversuche, die daraus entstehen.


Schreibe einen Kommentar