Verbotsschild, auf dem ein Pst-Emoji zu sehen ist, das den Finger vor den Mund hält

Still sein ist was für Anfänger

Mein Beitrag zur 73. Blognacht

Jou, denk ich mir, das passt doch wie die Faust aufs Auge. Gerade komme ich aus unserer Liedtextgruppe bei Little World, wo wir uns mit „Die Gedanken sind frei“ beschäftigt hatten. Solange die revolutionären Gedanken nur im Stillen gedacht wurden, konnten sie noch nichts verändern. Erst als sie auch geäußert wurden, konnten sie auch etwas bewirken. Still zu sein stellte also nur den Anfang dar.

Aber eigentlich denke ich bei dem Impuls an meine eigenen Erfahrungen. Ich kann nur allein still sein. Habe ich jemanden vor mir, dem ich zuhören soll, dann denke ich mit, was ich höre, und das kreiert eigene Gedanken und die sind meist schneller als das, was der andere sagt (mein „Königswinter-Syndrom“). Das muss dann raus, sonst platze ich. Wenn das dann nicht schriftlich geht, dann fange ich an, dem anderen reinzureden. Auch wenn ich nicht seiner Meinung bin, oder mir etwas zu unpräzise rüberkommt. Ich kann das nicht in mir behalten, das tut körperlich weh.

Werde ich gezwungen, still zu sein, kann ich das nur, wenn ich mich währenddessen mit etwas anderem beschäftige. Dann kann ich aber nicht mehr zuhören. Letzteres wird aber auch nicht gern gesehen. Aber nur still daneben sitzen und nichts sagen, das geht nun mal nicht. 

Das war schon in der Schule so, weswegen ich oft wegen Schwatzens oder ungefragten Reinredens ermahnt wurde. Aber nur Zuhören und bulimisches Lernen waren und bleiben nicht mein Ding. In der Uni ging es ein bisschen besser, weil da Diskutieren und Mitschreiben normal waren. Bei der Arbeit komme ich definitiv allein oder 1:1 auf Augenhöhe oder als Leitung einer Gruppe am besten zurecht. Das herauszufinden hat aber auch eine Weile gedauert…

Ich denke in Bildern. Wenn ich also jemandem zuhöre, entsteht ein Film in meinem Kopf. Dazu kommt die eingebaute Mediathek mit akustischen Assoziationen vom Werbeslogan über Filmzitate bis zum Lied. Das alles kann ich nicht auf stummmschalten. Der Mute-Button ist nicht mitgeliefert worden. Wenn ich das dann nicht rauslassen kann, wird es einfach zuviel…

Wie schon gesagt: Ich kann nur allein still sein, z.B. beim Meditieren. Ich bin nicht mal still, wenn ich schlafe. Mein Hirn macht nachts fröhlich weiter und so rede ich auch im Schlaf. Und das noch in verschiedenen Sprachen. Manchmal gestikuliere ich dabei so heftig, dass ich mich selbst aufwecke. Thomas sagt, ich singe sogar im Schlaf…

Manchmal kann ich mich beim Aufwachen an die im Traum erlebten Filme erinnern. Dafür habe ich extra ein großes Notizbuch und einen Stift auf meinem Nachttisch liegen. Dass ich in diesen Geschichten mal nur stiller Zuhörer oder Beobachter gewesen wäre, daran kann ich mich nicht erinnern. 

Aber still sein ist ja auch was für Anfänger. 😉

Bild erstellt mit Canva

Die Blognacht ist eine regelmäßige Veranstaltung von Anna Koschinski, in der der sich Blogger treffen, um spontan etwas zu einem Impuls zu schreiben. Mehr dazu unter blognacht.de

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