Hätt‘ ich nur auf Papageno gehört…

Dies ist eine wahre Geschichte aus meiner Kindheit Anfang der 70er:

Meine Mutter hatte gelesen, dass es für die Kindesentwicklung besonders förderlich sei, wenn man schon im Mutterleib Mozart zu hören bekäme. Also beschallte sie mich von klein auf damit und so trällerte ich statt Hänschen klein an der Kasse des Tante-Emma-Ladens meines Onkels die Arie der Königin der Nacht und bekam dafür von begeisterten alten Damen Schokolade geschenkt. Doch die Zauberflöte sollte noch auf schreckliche Weise meine Kindheit überschatten…

Ich hatte eine große Puppe namens Gloria, die alles mitmachte, was ich auch tat. Also begleitete sie mich nicht nur, sondern wurde von Oma auch mit denselben Kleidchen bestrickt und behäkelt wie meine Cousine und ich. Und da wir regelmäßig eingecremt wurden, musste Gloria natürlich auch welche bekommen.

Doch oh Schreck! Glorias rosige Gesichtsfarbe begann durch diese Behandlung immer mehr zu verschwinden bis sie irgendwann ein leichenblasses wächsernes Gesicht hatte!

Da erinnerte ich mich an Papageno und seine Arie „Ein Mädchen oder Weibchen“. DAS hatte er also mit dieser mysteriösen Zeile gemeint, über die ich mich immer gewundert hatte: „Helft eine mir doch aus der Not/ sonst crem‘ ich mich wahrlich zu Tod“!!! Ich hatte mich immer gefragt, wie das denn gehen sollte , sich zu Tod cremen? Aber da hatte ich ja nun meinen Beweis in der armen Gloria, möge sie in Frieden ruhn.

Titelfoto: Pixabay
Foto von Gloria und Annette: privat


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