Verabschieden lernen

Je ne joue plus

Etwas, das mir wirklich extrem schwer fällt, ist Menschen aus meinem Leben zu verabschieden. Damit meine ich das bewusste Sich-Verabschieden von Menschen, die einem nicht gut tun, oder die einfach die Kommunikation verweigern. Da kann ich rational noch so sehr verstehen, dass Nein-Sagen hier das einzig Richtige ist, weil mich alles andere krank macht. Aber emotional ist das nochmal eine ganz andere Kiste…

Meistens geht mit solchen Situationen einher, dass ich das vorausgegangene Verhalten dieser Personen nicht begreife und erst mal denke, es läge an mir, dass die Kommunikation nicht funktioniert. Dass ich mal wieder aspergere und irgendeinen Subtext nicht mitgekriegt hab. Da kann ich dann auch schon mal Dritten mit der Bitte um „Übersetzung“ wiederholt auf die Nerven gehen…

Wenn die dann aber auch sagen, dass sie den zu Verabschiedenden nicht verstehen, dann wird es richtig schwierig für mich. Denn während sie dann sagen können „Tja, dann hat der halt Pech gehabt. Und tschüs!“, kaue ich weiter darauf herum und meine, es müsse doch noch einen Weg geben, der Sache auf den Grund zu kommen.

Das kann ziemlich nerven, ich weiß… Das möchte ich aber nicht. Es ist einfach Ausdruck meiner Hilflosigkeit, weil ich die Situation nicht für mich übersetzen kann.

Bedingt, aber immerhin etwas, hilft es, wenn diese/r Dritte mir dann sagt: „Es liegt nicht an Dir, derjenige verhält sich wirklich unverständlich.“ – Klären möchte ich das Ganze dann trotzdem immer noch: Wenn alle logisch mitdenken und sagen, was Sache ist, dann muss das doch gehen…

Geht es eben nicht.

Das muss ich gerade lernen.

Und das fällt mir echt schwer!

Jemand hat mir gesagt: „Manchmal öffnet sich eine Tür im Leben, durch die dann vielleicht einige rausgehen, aber es kommen auch neue herein.“

Tut trotzdem weh…

 

PS. Danke an alle, die mich schon mal durch solche Situationen begleitet haben! ♥

Titelbild: Antoine Josse

Annette Schwindt
Ich mach was mit Schreiben und begleite andere dabei, ihre Kommunikation aufzubauen oder zu verbessern. Interesse an einer Zusammenarbeit? Außerdem engagiere ich mich für Inklusion Vor allem bin ich eins: Ein Mensch! - Beiträge per Mail abonnieren -

5 Kommentare

  1. Liebe Annette,
    wäre der Text nicht so schön, hätte mich allein schon das Bild angezogen! (Von wem ist das?)

    Und ich denke: Wenn wir alle lernen würden, auch über Schmerzhaftes zu reden, müsste niemand mehr das Gefühl haben, andren auf die Nerven zu gehen… Ich wünsche mir das jedenfalls sehr. Stelle aber grade auch fest, dass es stellenweise auch im Netz so was wie ganz zaghafte Anfänge gibt, das Thema in den Blick zu nehmen… Was mich sehr freut. Vielleicht ändert sich das ja. Ganz langsam.

    Jedenfalls: Herzlichen Dank für deine Offenheit!
    Lieben Gruß
    Maria

Hinterlasse einen Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.