Seit 20 Jahren als Journalistin aktiv

Schreibmaschine

„Ich mach was mit Schreiben“, antworte ich gern, wenn mich jemand nach meiner beruflichen Tätigkeit fragt. Das fasst es vermutlich am besten zusammen, denn ich mache sehr viele verschiedene Dinge, die aber letztendlich alle etwas mit dem Schreiben zu tun haben.

Von Briefen und analogem Bloggen

Angfangen hat es wohl schon als Grundschulkind, als meine damals beste Freundin wegzog. Großes Drama! Jetzt war alles, was uns blieb, Briefe zu schreiben. So lernte ich früh, wie man anderen schriftlich etwas so erzählt, dass sie es gerne lesen. Über die Jahre wurden die Brieffreunde immer mehr und verteilten sich schließlich auf der ganzen Welt. Ich hatte also richtig viel Praxis und das in mehreren Sprachen.

Irgendwann fing ich an zu fotografieren – damals noch ganz analog. Die Bilder einfach nur einzukleben, fand ich aber langweilig. Also habe ich eine Art Analog-Blog daraus gemacht. Daraus wurden dann auch mehrere Beiträge und die Mit-Verantwortung für die Abizeitung.

Rezensionen und andere Dramen

Im Studium dann fragte mich irgendwann mein damaliger Freund, ob ich nicht auch Lust hätte, für die Lokalzeitung zu schreiben. Dort wurden freie Mitarbeiter gesucht, um Bücher zu rezensieren oder über lokale Veranstaltungen zu berichten. Also fing ich im Oktober 1996 mit einem Bericht über die Einsetzung eines neuen Pfarrers in einer der Stadtteilgemeinden an und verfasste einige Buchrezensionen.

Meine erste Theaterrezension war ein Verriss und wurde gleich zum Aufreger. Dass einige Mitglieder der Laienschauspielgruppe Honoratioren der städtischen Kulturgemeinde waren, hatte ich nicht gewusst und auch nicht geahnt, dass in so einem Fall erwünscht wäre, dass die Rezensentin mehr als ein Auge zudrückt. Das Stück war einfach grottig gespielt und das kam in meinem Artikel deutlich zum Ausdruck. Der Zeitung brachte es einige erboste Leserbriefe ein und ich wurde erst mal vom Theaterrezensieren befreit. Halleluja! 😉 Mehr Bücher und Lokales für mich.

Der Millionengewinner, der keiner sein wollte

Als ich dann nach dem Magisterexamen mein Volontariat startete, erwartete mich gleich wieder ein unvergessliches Erlebnis: Ein Bewohner eines örtlichen Altenheims hatte bei einer Fernsehlotterie den Hauptpreis gewonnen und war von Dieter Thomas Heck live im Fernsehen per Telefon interviewt worden. Soweit so gut. Das Interessante daran war jedoch, dass der ältere Herr den Millionengewinn rundheraus ablehnte! Dieser Gewinn sei ihm von einer „Hellsagerin“ prophezeit worden und auch dass das Geld ihm Unglück bringen werde. Daher Danke, Nein Danke! Und das live zu Primetime!

Jetzt rissen sich natürlich die Medien darum, ein Interview mit dem Herrn zu bekommen. Aber niemand wurde zu ihm durchgelassen. Ich sollte hinfahren und versuchen, trotzdem mit ihm ins Gespräch zu kommen. Das schaffte ich auch, selbst wenn es nur über die Sprechanlage an der Haustür war. Der Artikel, den ich daraufhin schrieb, wurde von Print bis TV überall zitiert. Denn außer mit mir hatte der Herr mit niemandem mehr reden wollen. 🙂

Erinnerungen aus dem Lokaljournalismus

Von meinen Erlebnissen mit den Stars bei einem Open-Air-Konzert habe ich hier im Blog bereits berichtet: Die Geschichte mit NEK. Weitere erinnerungswürdige Momente waren

  • Die Landung der Antonov für das lokale Technikmuseum, bei der ich im Winter stundenlang auf einem Rollfeld frieren durfte, während sich alle fragten, ob denn die Landebahn ausreichen würde, oder das Flugzeug zur Not nochmal die Kurve über den Dom weg kriegen könnte.
  • Meine Recherchen in Sachen Zwangsarbeiter, bei denen ich von vielen schlimmen Schicksalen erfahren musste, letztendlich aber erreichen  konnte, dass zumindest einige von ihnen noch eine kleine Entschädigung bekamen.
  • Meine Zusammenarbeit mit einer über 80jährigen Benediktinernonne, die mit ihren Gedichten eine Kolumne im Lokalteil bekam.
  • Das Erkunden von ansonsten nicht zugänglichen Orten, wie dem Inneren der örtlichen Rheinbrücke oder dem einst als Tabakschuppen genutzen Dachboden einer Kirche.
  • Der nächtliche Dachstuhlbrand der alten Villa einer früheren Sektkellerei, deren unterirdische Gewölbe ich erst kurz vorher besichtigt hatte. Glücklicherweise konnte das Objekt gerettet werden.
  • Das Begleiten neuer Ausstellungen im Landesmuseum oder in den örtlichen Galerien
  • Die Pressekonferenz des örtlichen Bischofs dazu, dass die Beratung in Sachen Schwangerschaftsabbruch „ohne Abstriche“ fortgeführt werde. 🙂
  • Die Zusammenarbeit mit freien Mitarbeitern und die damit verbundenen Abenteuer des Alltags – ich sag nur „Bolzerer“. 😉
  • Die Betreuung von Leser-Events wie Bootsfahrten oder Spezialführungen
  • Viele feuchtfröhliche Stadtfeste 😉

Von Print zu Online

Nach dem Volontariat machte ich erst mal ein Aufbaustudium zur Beraterin für Public Relations und arbeitete dann als freie Journalistin für verschiedene Medien, zumal ich auch kurz darauf nach Bonn zog. Von dort aus arbeitete ich für ein Magazin für Rollstuhlfahrer, in dem auch meine Kolumne Rollerprise erschien. Zu dieser Zeit entstand auch mein Infoblatt „Wissenswertes für die Begegnung mit und die Berichterstattung über Menschen mit Behinderung“, das ich kürzlich aktualisiert und mit Cartoons von Phil Hubbe ergänzt habe.

Mein Fokus verlagerte sich immer mehr weg von Print hin zu Online. Nach ein paar Jahren PR in Sachen Parasport lernte ich – wie hier im Blog schon mehrfach erwähnt – den norwegischen Schriftsteller Pål H. Christiansen kennen und begann, ihm mit seiner Onlinekommunikation zu helfen. Dadurch landete ich beim Bloggen und Social Media, wurde zum Facebook-Erklärbär und zur Bestsellerautorin.

Während all der Zeit habe ich aber weiter als freie Journalistin gearbeitet und alle möglichen Artikel in verschiedenen Medien veröffentlicht. Auch deren Format hat sich immer weiter weg von Print hin zu Online verändert. Meine erste Rückfrage bei Artikelanfragen heute ist daher auch: Ist das nachher öffentlich zugänglich und damit verlinkbar? 😉

Back to the roots

Mit dem Beenden von schwindt-pr und dem Start dieses Blogs hier komme ich nun wieder zurück zu den Wurzeln meines Journalistendaseins, indem ich über ganz verschiedene Dinge schreibe. Mir geht es dabei um Menschen und Themen, die mich interessieren und die mich zu dem inspirieren, was ich gern tue: Was mit Schreiben. Und das nun schon seit über 20 Jahren! 🙂

Annette Schwindt
Ich mach was mit Schreiben: Ich bin freischaffende Bloggerin, Autorin, Journalistin, Fachlektorin und Beraterin für digitale Kommunikation. Interesse an einer Zusammenarbeit? Außerdem engagiere ich mich für Inklusion und blogge über meine Selbstfindung in Sachen Autismus. Und vor allem bin ich eins: Ein Mensch! - Beiträge per Mail abonnieren -

2 Kommentare

  1. Seit Anbeginn meines Blogs vor neun Schreiben erwähne ich immer wieder, dass von allen meinen Aktivitäten in den sozialen Netzwerken und Kommentaren auf anderen Blogs die Pflege meines Blogs mein Herzblut ist.

    Für Sie, Frau Schwindt, ist Ihr Schreiben mehr als Herzblut – es ist Ihr Leben (falls ich das so richtig sehe).

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