Schnäkige Bröckchen auf der Schmier

von Annette Schwindt

Eigentlich sind mein Mann und ich beide aus Rheinland-Pfalz, genauer gesagt aus Trier und Speyer. Unsere Dialekte sind allerdings ziemlich verschieden, so dass dem einen komisch vorkommt, was der andere ganz normal findet.

Manche Wörter sind zwar gleich, bedeuten aber etwas völlig anderes. Als ich meiner Schwägerin unser neues Auto zeigte, sagte sie: „Der sieht aber schnäkig aus!“ Wenn in der Pfalz jemand als „schneegisch“ bezeichnet wird, dann ist er mit dem Essen wählerisch. „Was schneege“ bedeutet hingegen, etwas Süßes essen. Wie aber konnte unser neues Auto „schnäkig“ sein? Es stellte sich heraus, dass es tatsächlich „süß“ im Sinne von „putzig“ bedeutet.

Womit wir beim Essen wären…

Während mein Mann gern „Fritten“ isst, lasse ich mir die „Pommes“ schmecken. Das wäre soweit nicht weiter störend, wäre nicht das jeweilige Wort aus dem anderen Dialekt im eigenen die Bezeichnung für qualitativ schlechtere Kartoffelstäbchen. Wenn mein Mann also fragt, ob wir „Fritten“ essen wollen, denke ich automatisch an altes Frittierfett.

Noch schlimmer wird es, wenn wir uns eine Brotzeit machen. Was bei uns in der Pfalz „Belegte“ sind, heißt an der Mosel „Schmier“, gern auch verniedlicht zum „Schmierchen“. Ein Butterbrot, das sein Verfallsdatum überschritten hat, wird in der Pfalz aber gern als „schmierig“ bezeichnet, so dass „Komm, ich mach Dir e Schmier“ bei mir wenig appetitanregend wirkt.

Einen Würgereflex muss ich schließlich unterdrücken, wenn mein Mann von „Bröckchen“ oder gar „Brocken“ im Essen spricht. Er meint damit „Stückchen“, zum Beispiel Fleischstückchen im Gulasch. Spricht der Speyerer hingegen von „Brocke“ oder „Bröckel“, handelt es sich dabei meist um feste Bestandteile von bereits Gegessenem, das rückwärts wieder zu Tage tritt…

Guten Appetit!

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