Gemeinsam die Zukunft gestalten #NEO19x

Wer mir auf Twitter folgt, wird miterlebt haben, wie ich vom 26. bis 28.November die Next Economy Open unter dem Hashtag #NEO19x twitternd begleitet habe. Die NEO ist eine bereits 2015 von Gunnar Sohn initiierte dezentrale wirtschafts- und gesellschafts-wisssenschaftliche Konferenz. In diesem Jahr wurde sie in Zusammenarbeit mit Dr. Lutz Becker und unter Mithilfe von Constantin Sohn live aus der Fresenius-Hochschule Köln ins Netz gestreamt. Auf YouTube konnte sich jeder mit Fragen oder Anmerkungen via Live-Chat in die Sessions einbringen.

All meinen Lieblings-Sessions ist gemein, dass sie einen konkreten Bezug zum Menschen haben und anschaulich präsentiert wurden. Ich bin kein Freund von Theorie, ich mag es praktisch. Gemäß dem Motto: Machen ist wie denken, nur krasser! 😉 Daher haben mich besonders folgende Sessions beeindruckt:

Veränderung in den Stadtvierteln beginnen

„Die Transformation kommt so oder so, die Frage ist nur: Kommt sie by desaster oder by design?“, sagte Davide Brocchi am ersten Tag und regte eine „Stadtentwicklung aus den Quartieren heraus“ an. Was bedeutet Nachbarschaft in einer globalisierten Welt? Wie erschafft man ein nachbarschaftliches Wohnzimmer, ein Miteinander-Gefühl, eine lokale Agora und gelebte Demokratie?

Schwimmende Städte und Transport aus dem All

Als leider viel zu kurz erwiesen sich die Barcamp-orientierten 45 Minuten Gesprächszeit mit Chris Smedley aus Kanada zum Thema “ Digital Habitats Corporation: Digital City design and development that integrates habitation, infrastructure and transportation into a digitally twinned community“. Warum sind schwimmende Städte denen an Land überlegen? Welche Vorteile haben Weltraumtransporte gegenüber den bekannten Infrastrukturen und für wen? Werden wir bald Solar-Baldachine über die Autobahn spannen?

Schlüsselanhänger oder Organtransplantate

Bis 2040 sollen die Hälfte aller produzierten Güter aus dem 3D-Druck-Verfahren kommen, so die Vorhersage. Werner Koch stellte die These auf: „Warum Industrie 4.0 keine Revolution ist, die Additive Fertigung aber schon“ und zeigte zahlreiche Beispiele, von denen v.a. die aus der Medizin sehr beeindruckend waren.

Von der Wissensvermittlung zum selbst Lernen lernen

Bei allen Konferenzen gibt es Vortragende, die besonders engagiert vortragen können. Hier war für mich Dr. Christoph Schmitt mit „Der garstig breite Graben: Digitale Transformation zwischen technologischem #Schnickschnack und echter Kulturarbeit“ definitiv vorn. Digitale Transformation bestehe nicht nur im Aufrüsten der Technik, sondern bedeute einen echten Kulturwandel. Bildung müsse den Menschen ins Zentrum stellen und zu Selbstorganisation und Kollaboration befähigen.

Strandurlaub und Schweinshaxe

Ebenfalls spannend waren Prof. Dr. Desmond Wee und Prof. Dr. Mihir Nayak mit dem Thema „Future of Tourism“. Sollen wir künftig alle zuhause bleiben und andere Orte nur noch auf digitalem Wege besuchen? Aber wie kann man mit virtueller Realität ein Stranderlebnis simulieren? Wäre es nicht vielleicht besser, fremde Orte als Teilzeit-Einheimischer zu erleben, gerade was z.B. das Essen angeht? Und warum kennen Chinesen manche europäischen Sehenswürdigkeiten besser als die Europäer?

Nachhaltig werden oder untergehen

Im Anschluss an das bereits hochinteressante Gespräch mit Gunnar Anfang Oktober, erklärte Gabriel Fehrenbach anschaulich, „Wieso Unternehmen toxisch sind und was wir dagegen tun können“ und nannte auch Beispiele für die, die es besonders schlecht, aber auch solche, die es gut machen. Wer sich nicht auf Ganzheitlichkeit umstellt, werde in den kommenden Jahren verschwinden.

Warum StartUps ins Silicon Valley abwandern

Mirko Novakovic zeigte auf, warum deutsche StartUps früher oder später ins Silicon Valley abwandern und was es ihnen hierzulande so schwierig macht. Sein Tipp an Gründer: „Holt euch nur Profis rein und haltet die Zahl der Investoren klein!“

Was ich aus der #NEO19x mitgenommen habe

  • Warten wir auf den großen Knall, oder tun wir alle etwas, um die Zukunft mitzugestalten?
  • Deutschland macht Innovationen und Veränderung unnötig schwer.
  • Wir sollten den Menschen statt die Gewinnmaximierung in den Mittelpunkt rücken.
  • Unternehmen müssen ganzheitlich werden oder sie werden verschwinden (?).
  • Menschen sollen lernen, sich wieder selbst in Gemeinschaften zu organisieren und als solche untereinander zu kooperieren.
  • Demokratie funktioniert nur, wenn jeder mitmacht.
  • Veränderung beginnt in lokalen Gemeinschaften, die aber durchaus global agieren können.
  • „Move from pessimism to possibilities!“ (Chris Smedley)
  • Hoffentlich können wir auch mit der #NEO20x im nächsten Jahr etwas dazu beitragen. Die Planung startet jetzt!

Noch mehr?

Dann hab ich zum Schluss noch Literaturtipps, die ich aus der Konferenz weitergeben möchte:

  • Davide Brocchi: „Große Transformation im Quartier“ (oekom Verlag, 2019)
  • Prof. Dr. Dennis Lotter: „Digital Transformation Design“ (Business Village, 2019)
  • Stephan Grabmeier: „Future Business Compass“ (Haufe, 2019).


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