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Mehr (digitale) Community wagen

Ein Punkt, der bei allen Vorträgen der #NEO19x früher oder später zur Sprache kam, war der der kleineren Communities. Vor allem das Gespräch mit Davide Brocchi hat mich da nachhaltig beeindruckt und ich habe mich gefragt, wie ich das hier in die Tat umsetzen könnte. Digital praktiziere ich das ja schon lange und vieles davon setzt sich inzwischen auch analog fort und umgekehrt. Sei es der digitale Stammtisch oder einfach nur das Zusammenarbeiten vieler Leute aus der Bonner digitalen Szene bei allen möglichen Projekten.

Da fiel mir ein, dass ich schon, als wir damals in unsere Wohnung eingezogen sind, versucht hatte, die Bewohner der einzelnen Einheiten unseres Wohnhauses näher miteinander zu vernetzen. Das war vor 18 Jahren und keiner von uns hatte ein Smartphone, noch wusste man etwas von Messengerdiensten. Sprich: mein Vorschlag damals, eine Hausgemeinschaft digital umzusetzen, stieß auf keinerlei Verständnis und kam damit auch nicht zustande. Was aber würde passieren, wenn ich das jetzt – im Zeitalter von Whatsapp – nochmal versuche?

Einfach mal machen

Kaum was das neue Jahr angebrochen, verfassten Thomas und ich also einen Brief an die anderen Hausbewohner, in dem wir anboten, eine Whatsapp-Gruppe für die Hausgemeinschaft zu erstellen und für die, die nicht digital affin sind, auch analog als Mittler tätig zu werden. Wir legten von vornherein fest, dass die üblichen Unarten von Whatsapp-Gruppen (in Form von sinnfreien Videos und Katzenbildchen) dort nicht erwünscht sind und dass Dinge, die nur bestimmte Parteien angehen, direkt miteinander und nicht in der Gruppe ausgemacht werden. Vielmehr dient die Gruppe dazu, Infos weiterzugeben, Dinge wie Handwerkerbesuche effektiver zu organisieren und sich gegenseitig zu helfen. Und natürlich, sich überhaupt besser kennenzulernen.

Zunächst dauerte es ein bisschen, aber nach ein paar Tagen trudelten die ersten Zusagen via Whatsapp ein, einige Bewohner kamen auch persönlich vorbei, um die Nummern auszutauschen und der einhellige Tenor war: Was für eine tolle Idee! Das Vorstellen in der Gruppe verlief ebenfalls sehr freundlich und inzwischen ist der Großteil der Bewohner mit uns und den anderen in der Gruppe vernetzt. Einen Anwendungsfall bekamen wir auch gleich, als der Fahrstuhl – natürlich freitags – steckenblieb und übers Wochenende geschont werden musste, bis heute die Wartungsfirma nach dem Rechten schauen konnte.

Die digital affineren Nachbarn melden sich jetzt auch einfach mal so zum Chatten oder Vereinbaren von analogen Treffen, man kennt nun viele andere beim Vornamen und kommt leichter ins Gespräch, wenn man sich im Treppenhaus trifft. Kurz: Die gesamte Atmosphäre hat sich verbessert. Ich bin gespannt, was sich aus dieser Gruppe noch alles ergibt!

Und die, die sich bisher noch nicht gemeldet haben, merken bereits, dass sie Dinge später erfahren, oder gar nicht erst mitbekommen. Mal sehen, ob es sie veranlasst, auch noch dazu zu stoßen. Es wäre schön, wenn alle dabei wären…

UPDATE 8.4.2020: Tja, dass sich unsere Gruppe wegen einer Virus-Pandemie als nützlich erweisen würde, darauf wären wir vorher natürlich nicht gekommen. Jetzt können wir Einkäufe und Infos an alle perfekt organisieren, oder einander einfach moralisch unterstützen. Sogar unser ältester Bewohner mit 80 macht mit. 🙂

Titelfoto: PixelAnarchy, Pixabay


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