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Des schaffemer noch alleweil!

Tja… mit dieser Variante hatten wohl die wenigsten gerechnet, als wir uns bis vor Kurzem Gedanken darum gemacht haben, wie es in Zukunft angesichts von Klimawandel und Digitalisierung wohl weitergehen wird mit der Welt. Dass ausgerechnet ein Virus dafür sorgen würde, dass die Menschen sich mehr ans digitale Arbeiten wagen (müssen), dass Nachbarn näher zusammenrücken und die Natur mal aufatmen kann… das haben wir nicht kommen sehen. Und was davon danach bleiben wird, darauf bin ich echt gespannt (siehe dazu: https://www.diezukunftnachcorona.com).

In diesem Artikel möchte ich festhalten, wie es Thomas und mir gerade geht. Da wir beide zur Risikogruppe gehören, bleiben wir zuhause. Thomas ist seit vergangenen Donnerstag im durchgehenden Home Office. Ich hab ja schon immer von zuhause aus gearbeitet, da ändert sich für mich kaum etwas.

Was uns jetzt nur fehlt, sind die Besuche von/bei Freunden und das Rausgehen. Außerdem hatte ich mich auf das wunderschöne Frühlingslicht gefreut, um mit meiner neuen Kamera loszuziehen. Zum ersten Mal hab ich eine ganze Liste von Leuten, die sich gern von mir portraitfotografieren lassen wollen. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Inzwischen genieße ich die Sonne eben von unserem Balkönchen aus.

Dass unsere Whatsapp-Gruppe für die Hausgemeinschaft so schnell so praktisch werden würde, hätten wir auch nicht gedacht. Dank ihr können wir uns untereinander kontaktieren und schauen, wer wie Hilfe braucht, oder uns einfach nur moralisch unterstützen. So konnten wir z.B. schon feiern, dass ein Nachbar negativ getestet wurde, der wegen eines infizierten Kollegen in Quarantäne gehen musste. Eine andere Nachbarin geht für uns einkaufen und wickelt das bargeldlos mit uns ab.

Dank DVD-Sammlung und Streamingdiensten wird uns auch außerhalb von Arbeit und Kochen nicht langweilig. Und dann wären da ja noch jede Menge Bücher. Thomas ist wie immer die Ruhe selbst und freut sich auf all das, was wir wieder tun können, wenn der Spuk vorüber ist. Ich hab da mehr Schwierigkeiten und muss Nachrichten und Social Media gezielt dosieren. Spätestens alle zwei, drei Tage überkommt mich die Panik, obwohl es uns ja nicht viel anders geht als sonst. Aber als Mensch aus dem Autismusspektrum ist Kontrollverlust für mich nochmal eine ganz andere Kiste als für neurotypische Menschen…

Was sich für mich als äußerst hilfreich erweist, ist die Meditations-App Insight Timer, die ich seit ca. zwei Jahren nutze (Apple-Store, Google Play). Mit dieser App habe ich gelernt, wie ich in Stress-Situationen durch die richtige Atemtechnik runterkommen kann und wie mit geführten Entspannungsmeditationen besser einschlafen. Die Klangmeditationen tun mir außerdem besonders gut.

Ich denke viel an meine Oma und meine Uroma, die im und nach dem 2. Weltkrieg mit viel gravierenderen Herausforderungen zurechtkommen mussten (Lagerinternierung und Zwangsarbeit, davon habe ich als Kind viele, viele Geschichten gehört und nachgespielt im kindlichen Versuch das Unfassbare zu Be-Greifen). Was hätten sie wohl jetzt gesagt? Hätte meine Oma mir Heile, heile Gänsje gesungen, wie damals, wenn ich als Kind Angst hatte? Nein, sie hätte gesagt: Kumm, des schaffemer noch alleweil! Und so sehe ich sie in der Kittelschürze vor mir, wie sie die Ärmel hochkrempelt und sich dran macht, das Beste aus der Situation herauszuholen. Und ich versuche, mir ein Beispiel an ihr zu nehmen.

Titelfoto: Annette als Baby mit ihrer Uroma und Oma


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2 Antworten auf „Des schaffemer noch alleweil!“

Liebe Annette und lieber Thomas ich sende Euch eine ganz ganz dicke Umarmung nach Bonn und bleibt gesund.
Im Moment findet ein mächtiges Schütteln des Planeten statt, der uns als Menschen in die Ruhe zwingt, vielleicht für uns Menschen die letzte Warnung und genau dies schaffen wir alle Gemeinsam.
Liebe Grüsse vom Meer
Daniela

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